großen Teil von Europa, Afrika und Asien bis zum Indus und Ganges durch-zogen und ein Reich gegründet, dem selbst die sagenhaften Eroberungen derAssyrer und Ägypter nicht verglichen werden können. Vom AdriatischenMeer bis zum Stillen Ozean, von den skythischen Steppen bis zu den SandwüstenAfrikas sollten alle Völker von den verschiedensten Sprachen, Sitten undGebräuchen zu einem großen Ganzen vereinigt und durch Handel, Verkehrund Gedankenaustausch einander befreundet werden: die Schranken zwischendem Morgen- und Abendlande sollten fallen, der Norden sollte dem Südengenähert werden.
Zum letzten Male war die außerordentliche Machtfülle des neugegrün-deten Reiches in ihrer ganzen Herrlichkeit erschienen, als Alexander nachseiner Rückkehr aus Oberasien im erwähnten Jahre alle seine Getreuen inBabylon um sich versammelt hatte und die Huldigungen der Völker dreierWeltteile empfing. Da waren außer den sämtlichen Feldherren und Statt-haltern die Sendboten aller asiatischen Völker, namentlich der Perser, Meder,Baktrier, Inder und der kleinasiatischen Völkerschaften, aus Europa nebstden Abgesandten der griechischen Staaten, der Athener, Lakedämonier,Thessaler, Böotier, Phoker, auch die Thraker, Illyrier, Skythen und die An-wohner des Adriatischen Meeres erschienen, aus Italien Lukaner, Bruttier,Etrusker; aus Gallien und Hispanien Kelten und Iberer; aus Afrika Ägypter,Karthager, Libyphöniker, Äthiopier und die Abgeordneten der Völkerschaf-ten bis zu den Säulen des Herkules. Alle waren gekommen, um dem mäch-tigen Herrscher ihre Unterwürfigkeit zu bezeugen und ihre Wünsche undGelübde ihm darzubringen oder um seine schiedsrichterliche Entscheidungfür innere Streitigkeiten nachzusuchen, sodaß damals in der Tat Alexanderals Herrscher des Erdkreises und als Gebieter dreier Welten erschien, demkeine Macht der Erde Widerstand zu leisten vermochte. Aber wie der Riesen-geist eines einzigen Mannes diesen wunderbaren Bau geschaffen hatte, sostürzte derselbe mit dem Tode seines Urhebers zusammen, und mit dem Um-sturz seines Thrones lag die Welt in Trümmern. (Franz Doroth. Gerlach,Griechischer Einfluß in Rom, 1872.)
ENTWICKLUNG DER GRIECHISCHEN STAATENWELT.
Die Sophistik geht daran, nach allen Seiten der Wirklichkeit hin diesen An-spruch durchzusetzen: nach den letzten Gründen und Zwecken zu forschen.Staatlich versucht sich dasselbe Prinzip in der Demokratie Athens durchzu-bilden, im vollsten Gegensatz gegen Sparta und dessen auf starre Herkömm-lichkeit gegründete Weise; es teilt sich Hellas für und wider die Bewegung;es beginnt ein Kampf, der zum ersten Male in der Geschichte nicht bloß Volkgegen Volk, Masse gegen Masse, sondern Prinzipien widereinander führt.Wohl erliegt äußerlich Athen, aber die Gedanken der neuen Zeit breiten sichunwiderstehlich überallhin aus; die Demokratie, die Aufklärung, die kriti-sierende Doktrin beginnt das hellenische Leben zu beherrschen.Es bestehen noch die hellenischen Staaten in mannigfachen Formen, vollerHerkömmlichkeit, mit dem Dienst städtischer Gottheiten verwachsen, alte,
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