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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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gegeben, den Lykurgus dem seinigen gab. Und wodurch hat Lykurgus diesesbewirkt? Dadurch, daß er die Tätigkeit seiner Mitbürger in den Staat zuleiten wußte und ihnen alle anderen Wege zuschloß, die sie hätten davon ab-ziehen können.

Alles, was Menschenseelen fesselt und Leidenschaften entzündet, alles, außerdem politischen Interesse, hatte er durch seine Gesetzgebung entfernt. Reich-tum und Wollüste, Wissenschaft und Kunst hatten keinen Zugang zu denGemütern der Spartaner. Durch die gleiche gemeinschaftliche Armut fiel dieVergleichung der Glücksumstände weg, die in den meisten Menschen die Ge-winnsucht entzündet; der Wunsch nach Besitztümern fiel mit der Gelegenheithinweg, sie zu zeigen und zu nutzen. Durch die tiefe Unwissenheit in Kunstund Wissenschaft, welche alle Köpfe in Sparta auf gleiche Art verfinsterte,verwahrte er es vor Eingriffen, die ein erleuchteter Geist in die Verfassunggetan haben würde; eben diese Unwissenheit mit dem rauhen Nationaltrotzverbunden, der jedem Spartaner eigentümlich war, stand ihrer Vermischungmit andern griechischen Völkern unaufhörlich im Wege. In der Wiege schonwaren sie zu Spartanern gestempelt, und je mehr sie andern Nationen ent-gegenstießen, desto fester mußten sie an ihrem Mittelpunkt halten. Das Vater-land war das erste Schauspiel, das sich dem spartanischen Knaben zeigte,wenn er zum Denken erwachte. Er erwachte im Schoß des Staats; alles, wasum ihn lag, war Nation, Staat und Vaterland. Es war der erste Eindruck inseinem Gehirn, und sein ganzes Leben war eine ewige Erneuerung dieses Ein-drucks.

Zu Hause fand der Spartaner nichts, das ihn hätte fesseln können; alle Reizehatte der Gesetzgeber seinen Augen entzogen. Nur im Schöße des Staats fander Beschäftigung, Ergötzung, Ehre, Belohnung; alle seine Triebe und Leiden-schaften waren nach diesem Mittelpunkt hingeleitet. Der Staat hatte alsodie ganze Energie, die Kraft aller seiner einzelnen Bürger, und an dem Ge-meingeist, der alle zusammen entflammte, mußte sich der Nationalgeist jedeseinzelnen Bürgers entzünden. Daher ist es kein Wunder, daß die spartanischeVaterlandstugend einen Grad von Stärke erreichte, der uns unglaublich schei-nen muß. Daher kam es, daß bei dem Bürger dieser Republik gar kein Zweifelstattfinden konnte, wenn es darauf ankam, zwischen Selbsterhaltung undRettung des Vaterlandes eine Wahl zu treffen.

Daher ist es begreiflich, wie sich der spartanische König Leonidas mit seinendreihundert Helden die Grabschrift verdienen konnte, die schönste ihrer Artund das erhabenste Denkmal politischer Tugend.Erzähle, Wanderer,wenn du nach Sparta kommst, daß wir, seinen Gesetzen gehorsam, hier ge-fallen sind." (Friedr. Schiller, Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon.II. Heft derThalia" 1786.)

DIE ATHENER NACH DEN PERSERKRIEGEN.

Die Gefahren, welche in den Perserkriegen über ganz Hellas drohend sicherhoben, hatten in vielen Staaten Mutlosigkeit und Furcht, in Athen einevorher nie geahnte Tatkraft und seltene Hingebung für das Vaterland ge-weckt. Zum Tode entschlossen hat die athenische Bürgerschaft zuerst allein

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