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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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so liegt darin mehr als eine Ehrung, mehr als ein politisches Manöver mit demRuhme eines Philosophen: wie notwendig, wie bedingt durch seinen Universalis-mus, wie gefordert durch die systematischen Zusammenhänge seines Geistesihm die Verbindung zwischen Philosoph und Staatsmann, Theoretiker undPraktiker war, zeigen noch in ihren Fragmenten seine Historien, die nicht nurein Kunstwerk, sondern auch ein Lehrwerk allergrößten Stils waren. Daßaus schlechter Philosophie und schlechter Lebensführung schlechte Politikkomme und umgekehrt, daß die Geschichte selber letzten Endes, im Hinblickauf ihr Menschliches, Moral, im Hinblick auf ihr Schicksalhaftes, Vorsehungund Zeus sei: aus seinen historischen Fragmenten und zumal aus der Athenion-episode redet diese Lehre eine deutliche, fast schrille Sprache.--------

Staatsmann, Denker, Forscher, Erzieher, Deuter aller Dinge, Interpret derSeele und der Götter, der Natur und der Geschichte, Philosoph des höchstenAnspruchs, mit dem Ehrgeiz zur vollkommensten Verkörperung der Mensch-heit zu gehören, dabei in Tat und Bewußtsein Erbe, Glied aus jener Reihe,deren Ahn er in Pythagoras verehrt, universaler Geist, in dem zum letzten Maleeine, soweit erkennbar griechische, wenn auch gedrungene Mystik mit derspröden Klarheit griechischen Kausalsinns, dumpfer Opfer-, Seelen- undOrakelglaube mit dem hellsten griechischen Erkenntnisdrang gemischt, einweltumspannendes System auskristallisierten, hat der Mensch, der alles dasin sich vereinigte, in einem Lehrgebäude aufgehen können, ohne, um den Bauzu krönen, sich ein ideales Ebenbild zu schaffen, einen Träger und Verwirk-licher seiner Gedanken? Poseidonios redet wohl auch allgemein, zumal inseinen Widerlegungen, vomWeisen", aber mehr in Anbequemung an dieorthodoxe Terminologie, als weil ihm das ein Ausdruck wäre. Doch seineigenes Ideal, prophetisch vorverkündend, erblickt er in den Weisen einer Ur-zeit, da der Mensch, göttlich gezeugt, noch jung auf Erden, die Mitgift seinerüberirdischen Kräfte rein und ungespalten in sich trug, als noch die WeisenKönige und die Könige Weise waren, als der Philosoph, Politiker, Künstler,Forscher, Erfinder, Erzieher, Priester, Arzt, Prophet als universaler Geist inEinzelnen vereinigt über die Erde schritten, große, segnende Gestalten, einGeschlecht, als dessen später Nachfahr Pythagoras in die geschichtlich helleZeit reicht, dessen Abglanz noch auf Demokrit und Piaton ruht. Der Kultur-historiker und Ethnograph, je eifriger er gerade hier nach Daten und Belegensucht, wird nur um so unverkennbarer zum Schwärmer. Welche Ausblickeeröffnet ihm nicht die Bekanntschaft mit den keltischen Druiden! WelcheBestätigungen! Die Großen der Vorzeit leisten ihm, was späteren Zeiten dieAntike leistet: Geist von einem starken Bildnerwillen, in der Gegenwart ver-einsamt, taucht er in die Vergangenheit, die Ahnen zu finden, die er verehrt.(Karl Reinhardt, Poseidonios, 1921.)

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