der nicht Lyra- noch kindlich Spiel, sondern selbst sein eigen Leben inWorten und Werken zusammenklingend als schönste Fuge stimmt, wahrhaftdorisch und nicht ionisch, auch nicht phrygisch oder lydisch, sondern wiejene einzig hellenische Fuge." So ist zerspellte Gestalt zu fügen, höchstessokratisches Ziel, Kritik und Begriff nur Wegbereiter und auch diese heutso entarteten Mittel noch drängend vom Leben voll. — —So ragt Sokrates in der Apologie in die vor Alter und Ruhm schimmerndeWelt vor Troas hinein, wird Hüter gottmenschlicher Heirat und nennt sichselber Bruder des Achill; im Phädrus sprechen Pan und Nymphen aus demGlänze seiner Stimme und machen ihn zum Künder des Kosmischen, das derJünger wiedergewann, und wenn Alkibiades, im Gastmahl den Eros als dieKraft des Kultes bedingend, Sokrates selbst zum Schutzherrn und Träger desEros feiernd weiht, so ist der Ring des geistigen Reiches geschlossen, wo immittleren Heiligtume die Gestalt des Sokrates ruht und der Eros von der Mittezum Rande hin im Kultus gebändigt Bilder des neuen Maßes vermöge derschöpferischen Ideen erzeugt. Diese Erhöhung im verehrenden Dienste ge-schah auf den Wink der Götter, der um der weittragenden Schwere des Ge-schickes willen den Sokrates zum zündenden Künder erkoren. Warum inallen Gesprächen die Glocke nur dieses einen Mundes tönt, warum Piaton sichselbst verschweigt, ist nun erkennbar: nicht aus Bescheidenheit des Genius,wie die Flachen wähnen, noch aus der „Verborgenheit" dieser „Sphinx-natur", dieses „Ungetüms von Stolz und Selbstherrlichkeit", wie Nietzschemeint, — man möge nicht aus der Person die überpersönliche Not einer Welt-lage und neuen Genesis bedeuteln, — nur weil Sokrates als Mitte zwischenMensch und Gott dort ruht, wo das Unendliche stirbt, um im Endlichen zuleben, das Endliche stirbt, im Unendlichen zu sein, wo die heilige Schmelze desHerzens ist, das wieder die Erinnerung mahnte, „daß ihr von Götternstammet".
Wir spüren bang bei Paulus die auch in schwersten Ketten noch lauerndeVerführung, sich an Christi Stelle zu setzen; aber der Gedanke, Piaton hätte,den Sokrates beiseite schiebend, seine eigene Person zur Mitte machen können,ist zu fremd, als daß er in uns einginge, und doch ist hier das seltene Schau-spiel, daß der Jünger den Meister in allen menschlichen Gaben, wenn auchnicht an göttlichem Geschick überragt. (Heinrich Friedemann, Piaton, seineGestalt, 1914.)
SEELE UND LEIB BEI PLATON.
Piaton hat, wozu den Orphikern die Leiblichkeit und den Christen dergriechische Ursprung fehlte, die auffliehende selbstverzückte Seele dem Feldedes Leibes wieder als erdgebundenen Keim eingesenkt und hat vermieden,daß der Schauer vor der Gottverwandtschaft der Seele in der einen erdflüch-tigen himmelflehenden Gebärde erstarrte. Die Platonische Seele, — —ist nicht wie die christliche aus der Verneinung des Leibes groß gewordensondern aus der Bejahung der geistigen Schöpferkraft, steht nirgends ineinem ursprünglichen und dauernden Gegensatze zum Leibe sondern höch-
• Wolters, Der Deutsehe. I. 8l