eigener Aussage aller eigentlichen Gelehrsamkeit fremd, aber um so festerhaltend an der Idee des Wissens und der Wissenschaft, trachtete in der Seeleder Jünglinge jene Empfänglichkeit für Wahrheit und jenes Streben nachSelbsterkenntnis zu wecken, welches in Leben und Tat wirksam hervortrittund die feste Grundlage der Sittlichkeit wie der Wissenschaft ist. Sprachendie Sophisten Hohn den heiligsten Gefühlen der Menschheit, zerstörtensie den Glauben an ein ewiges Recht, an das Sittengesetz und an die Gott-heit, so ward dagegen Sokrates' Leben recht eigentlich geleitet durchkindliche Ergebung in den göttlichen Willen, durch den frommen Glauben aneine höhere Schickung, durch die unerschütterliche Überzeugung von einerGerechtigkeit, die waltet im Leben wie im Tode. Durch diese Kraft und Tiefedes Geistes, durch diese Erhebung der Seele, durch diese göttliche Schwärmereihat Sokrates die edelsten Jünglinge und Männer um sich versammelt und inihrem Geiste sich ein Denkmal gegründet, das nimmer vergeht. Und damitdie Wahrheit der Lehre, so er verkündet, beurkundet würde für alle Zeiten, hater für dieselbe freudig sein Leben geopfert. (Franz Doroth. Gerlach, Histo-rische Studien, 1841.)
SOKRATES UND PLATON.
Wirklich ist nur die sokratische Gestalt. Jagd auf Schein ist sein Dienstder Wirklichkeit, ihm gilt nur, was zu der Mitte schaut, die ihm der Del-phische Gott bestimmt, und mag er auch als Denkender wirken, ist er dochGründer der Wirklichkeit eines neuen Reiches.
Gewiß ist er Heraklit und Parmenides gegenüber karg und ungeschmückt,doch kann auf dem Tagsucher nicht der Glanz des Nachmittags ruhen. Seinemagere Lehre ist der Ausdruck tieferen instinktiven Drängens; er aber darfder Herrschaft losgelöster Instinkte nicht den seinigen entgegensetzen — ,,nuraus dem Fernsten her kommt die Erneuerung". — Er muß in herber Selbst-verhüllung und lächelnd über eigene Wünsche den harten Gang gedanklicherZucht tun, wo jene blutvoll scheinen den Vorwurf blutleerer Betrachtungtragen, wo sie die Rede unheilig schmücken kahl einhergehen, und wo sie inkühnem Wurfe triebhafter Vergeudung ausgeben in schwererer Verhaltungsparen: er, der am tiefsten vom Dämon getrieben, am unheimlichsten ausdunklen Gründen erstiegen. Wider die Anarchie der Instinkte nur stär-keren Instinkt zu setzen, hätte den in der Wüste zerfließenden Strom nurzu zeitlichem Überwallen, aber nicht in das alte fruchtbare Bett gezwungen;nur die strengere Begründung des Gesetzes, der sophistischen Bewegung anihren logischen Ausläufern und Folgen sich entgegenstemmend, nur die Ver-härtung der Rinde konnte den Ausbruch der Säfte zurückdrängen in dasMark. Es war die Not des Sokrates, nur als Denker zu wirken, und späteren
Zeiten war es leicht, aus seiner Not eine niedrige Tugend zu machen,-------
indem sie ihn fälschlich als griechischen Rationalisten schmähen. Sein Todist seine Lehre, das aber ist die ihm verehrte dorische Harmonie von Wortund Werk, „wenn Sprecher und Gesprochenes in Zucht und Fuge zusam-men sind. Und ein solcher scheint mir vor allem ein Musenfreund zu sein,
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