wittert und bewahrt und noch in den Schilderungen einer Audienz oderGasterei den Geist und die Geste, nicht nur das Kostüm und die Laune Cäsarsaufgefaßt als seinesgleichen. So hat ihn auch Cäsar immer behandelt mit derHuld kaum merkbarer Überlegenheit, er übersah seine Schwächen und be-gegnete ihm nur dort, wo er denken, huldigen, fast bitten durfte; den Herrnhat er vor Cicero nie gespielt, weil er sicher war, daß keiner ihn heimlich besserehre und scheue als dieser feinste Feind, dessen vergeblicher Widerstand ihnvielleicht mehr lockte, als der Gehorsam seiner Klienten, Gehilfen und Sol-daten oder gar die knirschende Beugung des stiernackigen Adels. (FriedrichGundolf, Cäsar, Geschichte seines Ruhms, 1924.)
BRUTUS.
Welche Kraft ergreift dich mit diesem Anblicke! Schau die unerschütter-liche Gestalt! Diesen ausgebildeten Mann, und diesen zusammengeknotetenDrang! Sieh das ewige Bleiben und Ruhen auf sich selbst! Welche Gewaltund welche Lieblichkeit! Nur der mächtigste und reinste Geist hat dieseBildung ausgewirkt.
Eherner Sinn ist hinter der steilen Stirn befestigt, er packt sich zusammenund arbeitet vorwärts in ihren Höckern, jeder, wie die Buckeln auf FingaisSchild, von heischendem Schlacht- und Tatengeiste schwanger. Nur Erinne-rung von Verhältnissen großer Taten ruht in den Augenknochen, wo sie durchdie Naturgewalt der Wölbungen zu anhaltendem mächtig wirksamen Anteilzusammengestrengt wird. Doch ist für Liebe und Freundschaft in der Fülleder Schläfe ein gefälliger Sitz überblieben — Und die Augen! dahin blickend,als des Edlen, der vergebens die Welt außer sich sucht, deren Bild in ihm wohnt,zürnend und teilnehmend. Wie scharf und klug das obere Augenlid; wie voll,wie sanft das untere! Welche gelinde kraftvolle Erhabenheit der Nase! Wiebestimmt die Kuppe, ohne fein zu sein, und die Größe des Nasenloches und desNasenläppchens, wie lindert sie das Angespannte des übrigen! Und eben indiesen unteren Teilen des Gesichts wohnt eine Ahnung, daß dieser Mann auchSammlung gelassener Eindrücke fähig sei. In der Ableitung des Muskels zumMunde herab schwebt Geduld, in dem Munde ruht Schweigen, natürlicheliebliche Selbstgelassenheit, die feinste Art des Trutzes. Wie ruhig das Kinnist, und wie kräftig ohne Gierigkeit und Gewaltsamkeit sich so das Ganzeschließt!
Betrachte nun den äußeren Umriß! Wie gedrängt markig! und wiederholtdie Ehernheit der Stirne, die Wirksamkeit des Augenknochens, den gefälligfesten Raum an der Seite des Auges, die Stärke der Wangen, die Fülle desMundes und des Kinns anschließende Kraft.
Ich habe geendigt und schaue wieder und fange wieder von vorne an.Mann verschlossener Tat, langsam reifender, aus tausend Eindrücken zu-sammen auf einen Punkt gewirkter, auf einen Punkt gedrängter Tat! Indieser Stirne ist nichts Gedächtnis, nichts Urteil, es ist ewig gegenwärtiges,ewig wirkendes, nie ruhendes Leben, Drang und Weben! Welche Fülle in
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