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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
Seite
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römische und die hellenische Entwicklung in sich wie nach außen hin zu ver-söhnen und zu vermählen, ist Cäsar der ganze und vollständige Mann. Da-rum fehlt es denn auch bei ihm mehr als bei irgendeiner anderen geschicht-lichen Persönlichkeit an den sogenannten charakteristischen Zügen, welcheja doch nichts anderes sind als Abweichungen von der naturgemäßen mensch-lichen Entwicklung. Was dem ersten oberflächlichen Blick dafür gilt, zeigtsich bei näherer Betrachtung nicht als Individualität, sondern als Eigen-tümlichkeit der Kulturepoche oder der Nation; wie denn seine Jugendabenteuerihm mit allen gleichgestellten begabteren Zeitgenossen gemein sind, sein un-Poetisches aber energisch logisches Naturell das Naturell der Römer über-haupt ist. Es gehört dies mit zu Cäsars voller Menschlichkeit, daß er im höch-sten Grade durch Zeit und Ort bedingt ward; denn eine Menschlichkeit an sichgibt es nicht, sondern der lebendige Mensch kann eben nicht anders als in einergegebenen Volkseigentümlichkeit und in einem bestimmten Kulturzug stehen.Nur dadurch war Cäsar ein voller Mann, weil er wie kein anderer mitten indie Strömungen seiner Zeit sich gestellt hatte und weil er die kernige Eigen-tümlichkeit der römischen Nation, die reale bürgerliche Tüchtigkeit vollendetw ie kein anderer in sich trug; wie denn auch sein Hellenismus nur der mit deritalischen Nationalität längst innig verwachsene war. Aber eben hierin liegta uch die Schwierigkeit, man darf vielleicht sagen die Unmöglichkeit, Cäsara nschaulich zu schildern. Wie der Künstler alles malen kann, nur nicht dievollendete Schönheit, so kann auch der Geschichtschreiber, wo ihm alletausend Jahre einmal das Vollkommene begegnet, nur darüber schweigen.Denn es läßt die Regel wohl sich aussprechen, aber sie gibt uns nur die negativeVorstellung von der Abwesenheit des Mangels; das Geheimnis der Natur, inihren vollendetsten Offenbarungen Normalität und Individualität mitein-ander zu verbinden, ist unaussprechlich. Uns bleibt nichts, als diejenigenglücklich zu preisen, die dieses Vollkommene schauten, und eine Ahnung des-selben aus dem Abglanz zu gewinnen, der auf den von dieser großen Naturgeschaffenen Werken unvergänglich ruht. Zwar tragen auch diese den Stem-pel der Zeit. Der römische Mann selbst stellte seinem jugendlichen griechi-schen Vorgänger nicht bloß ebenbürtig, sondern überlegen sich an die Seite;aber die Welt inzwischen war alt geworden und ihr jugendlicher Schimmerverblaßt. Cäsars Tätigkeit ist nicht mehr wie die Alexanders ein freudigesVorwärtsstreben in die ungemessene Weite; er baute auf aus Ruinen undv^ar unzufrieden, in den einmal angewiesenen weiten, aber begrenzten RäumenMöglichst erträglich und möglichst sicher sich einzurichten. Mit Recht hatdenn auch der feine Dichtertakt der Völker um den unpoetischen RömerSlc h nicht bekümmert und nur den Sohn des Philippos mit allem Gold-S'anz der Poesie, mit allen Regenbogenfarben der Sage bekleidet. Abermi t gleichem Recht hat das staatliche Leben der Nationen seit Jahrtausen-

en wieder und wieder auf die Linien zurückgelenkt, die Cäsar gezogen^ at , und wenn die Völker, denen die Welt gehört, noch heute mit seinem

a men die höchsten ihrer Monarchen nennen, so liegt darin eine tiefsinnige,^ l der auch eine beschämende Mahnung. (Theodor Mommsen, RömischeGe schichte, 1854/56.)

Wolters, Der Deutsche. I. 65