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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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gleichviel ob nach dem Hang seiner Natur, oder weil er den edlen Sinn hatte,

die größte Klugheit hierin zu erkennen.--------

Cäsar, nach vollendeter Eroberung des transalpinischen Galliens, wurdein allen Städten der vorigen Provinz und im cisalpinischen Gallien wie imTriumph empfangen; Siegeszeichen schmückten die Straßen, die Mauern, dieTore; alle Alter, beide Geschlechter, alle Stände drängten sich, den großenund milden Cäsar zu sehen, seinen Schutzgöttern Opfer zu bringen und seinHeer zu bewirten. Denn von der Spitze der penninischen Alpen bis in dieNiederländer Sümpfe ruhten die Parteien, und war dem Kaufmann die Straße

wie Italien seine Grenze gesichert.--------

Aber die gewaltsamsten Leidenschaften erwachten und trieben mit der Re-publik ihr Spiel. Alle Augen Roms, Italiens, des Reichs, der Bürger, derSoldaten waren auf jede Bewegung Cäsars, auf die täglichen langen Sitzungenunverwandt gerichtet; alte Freundschaften wurden gebrochen, Trennungendurch den Parteigeist versöhnt, unversehens dieser oder jener verlassen.Während diesem für ihn und für die Welt entscheidenden Augenblickverbarg Cäsar in sich die große Bewegung seiner Seele. Nur fünf Kohortenwaren bei ihm, das übrige Heer in unzählige Städte zerstreut. Unweit Arimi-num (Rimini) ist ein Flüßchen, Rubikon, jetzt Luso, die Grenze des eigent-lichen Italiens, welche ohne Erlaubnis vom Senat kein Feldherr überschreitendurfte, ohne für Feind des Vaterlandes erklärt zu werden. An dem Ufer diesesBaches überlegte Cäsar bei nächtlicher Stille, ob er sein Heer gegen dieHauptstadt der Welt, gegen sein Vaterland anführen wolle. Zu Pferde fandenihn bei Tagesanbruch die Soldaten, gedankenvoll herumreitend, sie selberäußerst bewegt (es war für die ganze Menschheit ein großer Tag), äußerstunruhig, beobachteten jeden Zug seines Gesichts, als plötzlich Cäsar, seinPferd spornend, rief:Der Würfel fällt", hinüber setzte, sie ihm folgten.(Joh. v. Müller, Vierundzwanzig Bücher allgem. Geschichte, 1811.)

CÄSAR.

So war dieser einzige Mann, den zu schildern so leicht scheint und doch sounendlich schwer ist. Seine ganze Natur ist durchsichtige Klarheit, und dieÜberlieferung bewahrt über ihn ausgiebigere und lebendigere Kunde als überirgendeinen seiner Pairs in der antiken Welt. Eine solche Persönlichkeitkonnte wohl flacher oder tiefer, aber nicht eigentlich verschieden aufgefaßtwerden: jedem nicht ganz verkehrten Forscher ist das hohe Bild mit densel-ben wesentlichen Zügen erschienen, und doch ist dasselbe anschaulich wieder-zugeben noch keinem gelungen. Das Geheimnis liegt in dessen Vollendung-Menschlich wie geschichtlich steht Cäsar in dem Gleichungspunkt, in welchemdie großen Gegensätze des Daseins sich ineinander aufheben. Von gewaltig-ster Schöpferkraft und doch zugleich vom durchdringendsten Verstände, nichtmehr Jüngling und noch nicht Greis, vom höchsten Wollen und vom höchstenVollbringen, erfüllt von republikanischen Idealen und zugleich geboren zumKönig, ein Römer im tiefsten Kern seines Wesens und wieder berufen, di e

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