RÖMISCHE HERRSCHAFT: CÄSAR.
Wenn Unparteilichkeit und fester Entschluß, wenn unermüdete Tätigkeit inWorten und Werken und ein gesetzter rascher Gang zum Ziel des Sieges oderder Ehre, wenn jener kalte, kühne Mut, der durch Gefahren nicht geschreckt,durch Unglück nicht gebeugt, durchs Glück nicht übermütig wird, einenNamen haben soll, so müßte er den Namen eines römischen Mutes haben.Mehrere Glieder dieses Staats, selbst aus niederm Stande, haben ihn so glän-zend erwiesen, daß wir — — dergleichen Gestalten der alten Welt alshingewichene große Schatten verehren. Wie Riesen schreiten ihre Feldherrenvon einem Weltteil zum andern und tragen das Schicksal der Völker in ihrerfesten leichten Hand. Ihr Fuß stößt Thronen vorübergehend um; eins ihrerWorte bestimmt das Leben oder den Tod von Myriaden. Gefährliche Höhe,auf welcher sie standen! Zu kostbares Spiel mit Kronen und Millionen anMenschen und Golde! Und auf dieser Höhe gehen sie einfach wie Römereinher, verachtend den Pomp königlicher Barbaren, der Helm ihre Krone,ihre Zierde der Brustharnisch.
Und wenn ich sie auf diesem Gipfel der Macht und des Reichtums in ihrermännlichen Beredsamkeit höre, in ihren häuslichen oder patriotischen Tugen-den unermüdet wirksam sehe: wenn im Gewühl der Schlachten oder im Ge-tümmel des Marktes die Stirn Cäsars immer heiter bleibt, und auch gegen
Feinde seine Brust mit verschonender Großmut schlägt; große Seele-----------
wenn du nicht wert wärest, Monarch der Römer zu werden, so war es nie-mand. Doch Cäsar war mehr als dies; er war Cäsar. Der höchste Thron derErde schmückte sich mit seinem persönlichen Namen; o, hätte er sich auchmit seiner großen Seele schmücken können, daß Jahrtausende hin ihn dergütige, muntre, umfassende Geist Cäsars hätte beheben mögen! (Joh.Gottfr. Herder, Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, 1787.)
CÄSAR.
Unter denjenigen, welche im Verdacht waren, katilinarische Anschlägeheimlich zu begünstigen, war Cajus Julius Cäsar bei weitem der wichtigsteMann. Seine, in der ersten Jugend schwächliche Gesundheit hatte er durchunaufhörliche Leibesübungen so gestärkt, daß sie alle Jahreszeiten und jedesKlima ertrug. In jeder Unternehmung, wodurch er sich zum Rang des Erstenin Rom und in der Welt erheben wollte, begleitete ihn das Glück, weil, indeser sich alles erlaubte, er die Herrschaft über sich selber behielt. Ohne vonseiner Beharrlichkeit, von der Kraft und Höhe seines vielumfassenden Geisteszu sprechen, darf jene ihm eigene Lebensfülle, jene blitzschnelle Behendigkeitnicht übergangen werden. Wir sind auf den Mann gekommen, welcher invierzehn Jahren das ganze, von streitbaren Völkern stark bewohnte Gallienund zweimal Spanien unterwarf, Deutschland und Britannien betrat, miteinem Heer Italien siegreich durchzog, die Macht Pompeius' des Großen stürzte,Ägypten zum Gehorsam brachte, den Sohn Mithridats, Pharnaces, sah und
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