eitelt. Das frühere Rätsel wird durch ein mächtigeres Gegenrätsel entkräftet,Und dieses hat seine Quelle und seine Lösung in Alexanders Geist selbst. Jetzt•st der Wettkampf der Weisheit zu Ende. Der Unterliegende hat gesiegt unddem Weibe keine Hoffnung gelassen, seiner von neuem Meister zu werden.Stummes Staunen ergreift Candace; weit entfernt, durch ihr Unterliegen zuGefühlen des Hasses oder zu Drohungen hingerissen zu werden, wünscht sie°iit dem Könige selbst durch das Mutterverhältnis verbunden zu sein, unddurch ihn zu erreichen, was sie durch sich selbst nicht vermag: die Herrschaftüber den Erdkreis.
Dieser Ausgang des Wettkampfes erinnert an den ähnlichen, in welchemdie Begegnung der Amazonen mit den großen Bekämpfem der Weiberherr-schaft sich auflöst. Die Feindschaft verwandelt sich zuletzt in Freundschaft.Die Mädchen werden aus Feindinnen begeisterte Anhänger ihrer Besieger.Von Dionysos niedergeworfen, erfechten sie ihm nun selbst seine Siege. Denn*n ihm haben sie den Erlöser des Weibes erkannt. So auch Candace. ErstGegnerin, erscheint sie zuletzt als begeisterte Anhängerin des Königs, den sieUnverletzt ziehen läßt, den sie selbst zum Sohne haben möchte. Doch ist esJ e tzt nicht des Mannes phallische Herrlichkeit, sondern sein geistiger Glanz,der die Bewunderung und Zuneigung hervorruft. In Klugheit wetteifern derKönig und die Königin, auf dem geistigen Gebiet entscheidet sich des Mannesletzter Sieg. Das Weib selbst freut sich des vor ihm zuerst sichtbar werdendenhöheren Lichtes. Hat Candace dem Helden durch ihre Gewandtheit den Unter-gang bereitet, so führt Alexanders höhere Klugheit die Rettung herbei. DasWeib bringt den Tod, der Mann überwindet ihn durch den Geist. Das tiefereRätsel des stofflichen Lebens, welches von dem Weibe ausgeht, wird gelöstdurch ein höheres, das dem reinen Geist entspringt. Die Täuschung bleibt aufdem niedern Gebiete des sinnlichen Daseins zurück, zu dem des Geistes reichtsie nicht empor. Dort ist alles ewiger Wechsel, ewiger Trug; hier der Sieg,der jeder Tücke spottet. Das Todeslos des sinnlichen Daseins vertritt dieFrau, die geistige Überwindung desselben der Mann. Wie vor Ödipus' lösendemWort die Sphinx sich in den Abgrund stürzt, aus dem sie hervorgegangen,wie der nächtlich leuchtende wechselvolle Mond dem ewig gleichen Glänzedes Tagesgestirns weicht, so sieht sich Candace gleich der Königin von Sabadurch das vor ihr erscheinende, von ihr erkannte höhere Licht ins Nichtszurückgeführt. Der Ruhm ihrer Klugheit erbleicht vor den mächtigern, dieLabyrinthe der weiblichen List erhellenden Strahlen der männlichen Weisheit.Alexander erhält nun sofort die Anerkennung seiner Unsterblichkeit und die"erheißung einer zukünftigen göttergleichen und weiberlosen Existenz. Der•nnere Zusammenhang dieser ganzen Entwicklung ist nicht zu verkennen.Candace gegenüber hat Alexander die Weisheit seines Geistes bewährt undSl ch als geistigen Besieger des Weibes, mit ihm des leiblichen Daseins und desstofflichen Untergangs dargestellt. Dadurch erringt er die Unsterblichkeit,2 War nicht jene des Körpers, die ihm Serapis nicht verheißen will, sondernd»e des Geistes, welche die Gemeinschaft mit dem Weibe ausschließt. (Joh. Jac.Ba chofen, Das Mutterrecht, 1861.)
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