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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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Die Natur des Wettkampfes, wie er zwischen Alexander und Candace sichentspinnt, ist ganz nach Art jener Begegnung der Sabaeischen Königin mitdem mächtigen und glänzenden Herrscher Israels gedacht und durchge-führt. Mit Rätseln und Gryphen versucht das Weib Salomo, und erst da esin ihrer Lösung des gefeierten Fürsten Weisheit erkannt, preist es das Volkglücklich, dessen Thron ein solcher Herrscher ziert. Nicht der weitverbreiteteRuf, nicht der Glanz und die Pracht, welche sich vor ihren Augen entfaltet,können sie zur Anerkennung der Größe des Königs und seines Gottes be-wegen. Nur in der überragenden geistigen Hoheit erkennt sie den Abglanzeines höheren Wesens, vor dem sie nun freudig sich beugt. Nicht andersCandace. Der Kampf, welcher sich zwischen ihr und dem Makedonier ent-spinnt, wird nicht, wie jener frühere der großen Weiberbezwinger, eines Dio-nysos, Bellerophon, Perseus, Theseus, Achill mit den Waffen geführt und ent-schieden ; er bewegt sich vielmehr auf dem Gebiete des Geistes und ringt umdie Krone der Weisheit und Prudentia. Es ist merkwürdig genug, den Verlaufdieses Wettkampfes zu beobachten. Er entwickelt sich während des Besuchsder inneren verborgenen Gemächer des königlichen Palastes. Die erste Be-merkung, mit welcher Alexander seinen Eindruck von all der angeschautenHerrlichkeit zu verbergen sucht, setzt Candace in Erstaunen.Die Königin er-kennt den Geist des Mannes und prüft ihn wohl". Nun ist es an ihr, ihre Über-legenheit darzutun. Sie redet also den König mit seinem wahren Namen anund weist ihm sein Bildnis. Der Besieger der Welt sieht sich durch eines WeibesKlugheit überwunden. Entschieden scheint der Kampf. Im Gefühle des Siegesspricht jetzt die Königin die höhnenden Worte:Was nützte dir deine vielbe-rühmte Klugheit, da du nun Candace als deine Besiegerin siehst?" Doch diePalme soll ihr nicht werden. Den König durch ihrerätselspinnende Weisheit"zu umstricken, vermochte sie wohldenn mächtig sind die Weiber im Er-finden von List und Trug; die weisesten sind sie von allen, listige Fäden zuspinnen und zu verflechten" ihn zu retten, liegt außer ihrer Macht. DieBewahrung des Geheimnisses, die Berufung auf die Züchtigung der Bebrycerreicht nicht hin, des Choragus Rachegefühl über Porus' Tod zu beschwichtigen.So bereitet sich Alexandern die Gelegenheit, die Unerschöpflichkeit seinesGeistes neben der Ratlosigkeit des Weibes im glänzendsten Lichte zu zeigen.Die Lösung, welche er diesem zweiten gordischen Knoten bereitet, verdientbesondere Beachtung. Dem Versprechen, den König selbst in ihre Hände zuliefern, entspricht das des Choragus, solche Tat zu belohnen: eine Doppel-sponsion, deren beide Glieder sich gegenseitig aufheben. Wird Alexander ge-tötet, so bricht Choragus sein Versprechen; wird er geschont, so hat Antigonus'

Zusage keine Bedeutung. Dieses unauflösliche Rätsel,------------rettet seinen

Erfinder, der hierin seine philosophische Bildung, wie sie von den Alten her-vorgehoben wird, an den Tag legt. Ohne Betrug, durch die bloße Macht seinesGeistes triumphiert Alexander über der Feinde Wut. Candace durchschautdie Kunst des vom König geschürzten Knotens, und wie sie erst mit Hilfedes heimlich gefertigten Bildnisses des Eroberers äußere Leibesbildung erkannthatte, so wird ihr jetzt sein höheres Wesen offenbar. Hatte sie ihm die Schlingebereitet, so sieht sie jetzt die Kraft derselben durch eine andere höhere ver-

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