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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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Ach! er möchte gern entfliehenSolchem Auftrag, solcher Würde;Einen Helden zu erziehenWird Zentauren selbst zur Bürde.

(Joh. Wolfg. Goethe, Wilh. Tischbeins Idyllen, 1821.)

HERAKLES.

Ich führe dich itzo zu dem so viel gerühmten und niemals genug gepriesenenTrunk eines Herkules, zu einem Werke, welches das schönste in seiner Artund unter die höchsten Hervorbringungen der Kunst zu zählen ist, von denen,welche bis auf unsere Zeit gekommen sind. Wie werde ich dir denselben be-schreiben, da er der schönsten und bedeutendsten Teile der Natur beraubt ist!So wie von einer prächtigen Eiche, welche umgehauen und von den Zweigenund Ästen entblößt worden, nur der Stamm allein übriggeblieben ist, so ge-mißhandelt und verstümmelt sitzet das Bild des Helden; Kopf, Arme und Beineund das oberste der Brust fehlen.

Der erste Anblick wird dir vielleicht nichts als einen verunstalteten Steinentdecken: vermagst du aber in die Geheimnisse der Kunst einzudringen, sowirst du ein Wunder derselben erblicken, wenn du dieses Werk mit einemruhigen Auge betrachtest. Alsdann wird dir Herkules wie mitten in allenseinen Unternehmungen erscheinen, und der Held und der Gott werden indiesem Stücke zugleich sichtbar werden.

Da, wo die Dichter aufgehört haben, hat der Künstler angefangen: jeneschwiegen, sobald der Held unter die Götter aufgenommen, und mit der Göttinder ewigen Jugend ist vermählet worden; dieser aber zeiget uns denselbenin einer vergötterten Gestalt und mit einem gleichsam unsterblichen Leibe,welcher dennoch Stärke und Leichtigkeit zu den großen Unternehmungen,die er vollbracht, behalten hat.

Ich sehe in den nächsten Umrissen dieses Leibes die unüberwundene Kraftdes Besiegers der gewaltigen Riesen, die sich wider die Götter empörten, undin den phlegräischen Feldern von ihm erlegt wurden, und zugleich stellenmir die sanften Züge dieser Umrisse, die das Gebäude des Leibes leicht undgelenksam machen, die geschwinden Wendungen desselben in dem Kampfemit dem Achelous vor, der mit allen vielförmigen Verwandlungen seinenHänden nicht entgehen konnte.

In jedem Teile des Körpers offenbart sich, wie in einem Gemälde, der ganzeHeld in einer besonderen Tat, und man sieht, so wie die richtigen Absichtenin dem vernünftigen Baue eines Palastes, hier den Gebrauch, zu welcher Tatein jedes Teil gedient hat.

Ich kann das wenige, was von der Schulter noch zu sehen ist, nicht be-trachten, ohne mich zu erinnern, daß auf ihrer ausgebreiteten Stärke, wie aufzwei Gebirgen, die ganze Last der himmlischen Kreise geruhet hat. Mit wasfür einer Großheit wachset die Brust an, und wie prächtig ist die anhebendeRundung ihres Gewölbes! Eine solche Brust muß diejenige gewesen sein, aufwelcher der Riese Antäus und der dreileibige Geryon erdrücket worden. Keine

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