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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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Das griechische Leben ist eine wahre Jünglingstat. Achill, der poetischeJüngling, hat es eröffnet, und Alexander der Große, der wirkliche Jüngling,hat es zu Ende geführt. Beide erscheinen im Kampfe gegen Asien, Achill alsHauptfigur im Nationalunternehmen gegen Troja, wo die Griechen zuerst alsGesamtheit auftreten, Alexander, der sich als sein Nachbild an die Spitze derGriechen stellt und die Rache vollführt, die Asien zugeschworen war. (G. Wilh.Friedr. Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, etwa 1825,A - 1910.)

CHIRON UND ACHILL.

Wenn wir der menschlichen Gestalt Bocksfüße hinzufügen, sie mit Hörn-chen und Großohren begaben, so ziehen wir sie zum Tiere herunter, und nura uf der niedrigsten Stufe schöner Sinnlichkeit dürfen wir sie erscheinen lassen.Mit der Zentaurenbildung ist es ein ganz anderes. Wie der Mensch sich körper-' lc h niemals freier, erhabener, begünstigter fühlt als zu Pferde, wo er, ein ver-ständiger Reiter, die mächtigen Glieder eines so herrlichen Tieres, eben als wärenes die eigenen, seinem Willen unterwirft und so über die Erde hin als höheresWesen zu wallen vermag, ebenso erscheint der Zentaur beneidenswert, dessenUnmögliche Bildung uns nicht so ganz unwahrscheinlich entgegentritt, weilja der in einiger Ferne hinjagende Reiter mit dem Pferde verschmolzen zuSe in scheint. Denken wir uns dieses Geschlecht nun auch als gewaltige, wilde^erg- und Forstgeschöpfe, von Jagd lebend, zu allen Kraftübungen sichstählend, ihre Halbfohlen zu gleich mächtigem Leben erziehend, finden wirs »e erfahren in der Sternkunde, die ihnen sichere Wegesrichtung verleiht,ferner einsichtig in die Kräfte von Kräutern und Wurzeln, die ihnen zur Nah-rung, Erquickung und Heilung gegeben sind, so läßt sich gar wohl folgern,daß darunter vorzüglich sinnende, Erfahrung verbindende Männer sich her-vortun, denen man wohl die Erziehung eines Fürsten, eines Helden anver-trauen möchte.

So wird uns Chiron geschildert, den man hier ausgestreckt ruhend, alsoden tierischen Leib an der Erde findet. Der obere menschliche Teil deutetaber auf Höheres, mehr als Menschliches. Denn das Haupt wird durch denArm unterstützt, Angesicht und Augen sind aufwärts gerichtet; edle Form,er nster Blick, auf sinnige, wichtige Unternehmung deutend. Damit wir abera ußer Zweifel gesetzt werden, was so eine wundersame Person im Sinne trage,sehen wir hinterwärts, halbversteckt, ein Weibchen im Tigerfell. Es wendetUn s die Schultern zu und spielt mit einem muntern, beinahe unbändigenMenschenknaben. Sollte das nicht Achill sein? Einem Chiron als dem tüch-'&sten Pädagogen übergeben, welcher jedoch einen solchen Auftrag wohlbedenklich finden darf.w ' r haben diesem Bilde deshalb folgende Strophe hinzugefügt:

Edel-ernst, ein Halbtier liegend,Im Beschauen, im Besinnen,Hin und her im Geiste wiegend,Denkt er Großes zu gewinnen.

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