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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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gegen dieses enfant gäte der Natur, und wie der Dichter den Jüngling vollLöwenkraft und Geist und Anmut in die Mitte gestellt hat zwischen Altklug-heit und Rohheit, und du wirst ein Wunder der Kunst in Achilles' Charakterfinden. Im schönsten Kontraste steht der Jüngling mit Hektor, dem edlentreuen frommen Manne, der so ganz aus Pflicht und feinem Gewissen Heldist, da der andere alles aus reicher schöner Natur ist. Sie sind sich ebensoentgegengesetzt, als sie verwandt sind, und eben dadurch wird es um so tragi-scher, wenn Achill am Ende als Todfeind des Hektor auftritt. Der freundlichePatroklus gesellt sich lieblich zu Achill und schickt sich so recht zu demTrotzigen.

Man sieht auch wohl, wie hoch Homer den Helden seines Herzens achtete.Man hat sich oft gewundert, warum Homer, der doch den Zorn des Achillbesingen wolle, ihn fast gar nicht erscheinen lasse. Er wollte den Götter-jüngling nicht profanieren in dem Getümmel vor Troja. Der Idealische durftenicht alltäglich erscheinen. Und er konnte ihn wirklich nicht herrlicher undzärtlicher besingen, als dadurch, daß er ihn zurücktreten läßt (weil sich derJüngling in seiner genialischen Natur vom rangstolzen Agamemnon als einUnendlicher unendlich beleidigt fühlt), sodaß jeder Verlust der Griechen vondem Tag an, wo man den Einzigen im Heere vermißt, an seine Überlegenheitüber die ganze prächtige Menge der Herren und Diener mahnt, und die seltenenMomente, wo der Dichter ihn vor uns erscheinen läßt, durch seine Abwesenheitnur desto mehr ins Licht gesetzt werden. Diese sind dann auch mit wunder-barer Kraft gezeichnet, und der Jüngling tritt wechselweise klagend und rä-chend, unaussprechlich rührend und dann wieder furchtbar so lange hinter-einander auf, bis am Ende, nachdem sein Leiden und sein Grimm aufs höchstegestiegen sind, nach fürchterlichem Ausbruch das Gewitter austobt, und derGöttersohn kurz vor seinem Tode, den er vorausweiß, sich mit allem, so-gar mit dem alten Vater Priamus aussöhnt. (Friedr. Hölderlin, Aphoris-men, 1798.)

ACHILL UND ALEXANDER.

Die höchste Gestalt der griechischen Phantasie ist Achilles. Wie der Tro-janische Krieg der Anfang der Wirklichkeit des griechischen Lebens ist, so istHomer das Grundbuch für den Anfang geistiger Vorstellung; es ist die Mutter-milch, aus der sich das griechische Volk großgesogen hat. Homer ist das Ele-ment, in dem die griechische Welt lebt wie der Mensch in der Luft. Der homeri-sche Jüngling, der im patriarchalischen Zustande nur als Gebilde des Dichterserscheinen kann und ein Sohn des Dichters, der Vorstellung, ist, kann, ohnephantastisch zu werden, nicht Führer sein; er ist noch dem König der KönigeAgamemnon Untertan. Den Beschluß aber des griechischen Lebens machtAlexander, der zweite Jüngling, die schönste, freieste Individualität, die jemalsexistiert hat. Er steht an der Spitze des vollkommen reif gewordenen Jugend-alters und ist der Gipfel des eigentlichen Griechentums. So wie Achill der Sohndes Dichters, so ist Alexander der würdige Sohn Griechenlands. Zwischenbeide fallen die Demokratien, die griechischen Staaten in ihrer schönstenJugendfülle.

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