dessen so fremd- wie großartige Spuren, wo wir ihnen begegnen, uns gleichsameiner andern Welt anzugehören scheinen. Zwar gehörte zu dem eigentüm-lichen Gepräge dieses mächtigen Bürgersinnes auch dies, daß er durch diestarre bürgerliche Einfachheit und Gleichheit während des Lebens nichtunterdrückt, aber gezwungen ward, sich in die schweigende Brust zu verschlie-jkn und daß er erst nach dem Tode sich äußern durfte; dann aber trat er auchln dem Leichenbegängnis des angesehenen Mannes mit einer sinnlichen Ge-waltigkeit hervor, die mehr als jede andere Erscheinung im römischen Lebengeeignet ist, uns Späteren von diesem wunderbaren Römergeist eine AhnungZu geben. Es war ein seltsamer Zug, dem beizuwohnen die Bürgerschaft ge-laden ward durch den Ruf des Weibels der Gemeinde: „Jener Wehrmann istlodes verblichen; wer da kann, der komme, dem Lucius Aemilius das Ge-leite zu geben; er wird weggetragen aus seinem Hause." Es eröffneten ihndie Scharen der Klageweiber, der Musikanten und der Tänzer, von welchenletzteren einer in Kleidung und Maske als des Verstorbenen Konterfei erschien,auch wohl gestikulierend und agierend den wohlbekannten Mann noch ein-mal der Menge vergegenwärtigte. Sodann folgte der großartigste und eigen-tümlichste Teil dieser Feierlichkeit, die Ahnenprozession, gegen die alles übrigeGepränge so verschwand, daß wahrhaft vornehme römische Männer wohl'hren Erben vorschrieben, die Leichenfeier lediglich darauf zu beschränken.Es ist schon früher gesagt worden, daß von denjenigen Ahnen, die die kurulischeAedilität oder ein höheres ordentliches Amt bekleidet hatten, die in Wachsgetriebenen oder bemalten Gesichtsmasken, soweit möglich nach dem Lebengefertigt, aber auch für die frühere Zeit bis in und über die der Könige hinaufnicht mangelnd, an den Wänden des Familiensaales in hölzernen Schreinenaufgestellt zu werden pflegten und als der höchste Schmuck des Hausesgalten. Wenn ein Todesfall in der Familie eintrat, so wurden mit diesen Ge-sichtsmasken und der entsprechenden Amtstracht geeignete Leute, nament-lich Schauspieler, für das Leichenbegängnis staffiert, so daß die Vorfahren,jeder in dem bei Lebzeiten von ihm geführten vornehmsten Schmuck, derTriumphator im goldgestickten, der Censor im purpurnen, der Konsul impurpurgesäumten Mantel, mit ihren Liktoren und den sonstigen Abzeichenihres Amtes, alle zu Wagen dem Toten das letzte Geleite gaben. Auf der mitschweren purpurnen und goldgestickten Decken und feinen Leintüchern über-spreiteten Bahre lag dieser selbst, gleichfalls in dem vollen Schmuck des höch-sten von ihm bekleideten Amtes und umgeben von den Rüstungen der von ihmef legten Feinde und den in Scherz und Ernst ihm gewonnenen Kränzen. Hinterder Bahre kamen die Leidtragenden, alle in schwarzem Gewände und ohneSchmuck, die Söhne des Verstorbenen mit verhülltem Haupt, die Töchterne Schleier, die Verwandten und Geschlechtsgenossen, die Freunde, KlientenUn d Freigelassenen. So ging der Zug auf den Markt. Hier wurde die Leicheln " ie Höhe gerichtet; die Ahnen stiegen von den Wagen herab und ließen aufden kurulischen Stühlen sich nieder, und des Verstorbenen Sohn oder der nächsteG eschlechtsgenosse betrat die Rednerbühne, um in schlichter Aufzählung dieNamen und Taten eines jeden der im Kreise herumsitzenden Männer undzuletzt die des jüngst Verstorbenen der versammelten Menge zu verlautbaren.
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