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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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zu sterben und seinen Freunden Schmerz zu hinterlassen, damit sie sein Be-gräbnis mit Klagen und Seufzen feiern möchten. Auch war es eine geheiligteSitte, bei den Leichenschmäusen, wo die Eltern bekränzt erscheinen mußten,den Verstorbenen, soweit es die Wahrheit erlaubte, zu loben. Einige Zeit nach-her, sagt Cicero, ward wegen der Pracht jener großen Grabmäler, welche wirnoch im Kerameikos sehn, ein Gesetz gegeben, daß niemand ein Denkmalsetzen solle, welches mehr als dreitägige Arbeit von zehn Menschen erfordere,und außer anderen Einschränkungen ward auch verboten, zum Lobe des Ver-storbenen eine Rede zu halten außer bei den öffentlichen Begräbnissen durchden öffentlich bestellten Redner. Dennoch nahm die Pracht bei Bestattungenund an Gräbern wieder so sehr überhand, daß Demetrius Phalereus sie durchneue Gesetze einschränken mußte. Selbst Plato bestimmt für einige an-ständige Ausstattung dreißig Minen, zum Bau eines Grabes für seine Mutteraber zehn Minen. Es ist allgemein bekannt, welchen Mißbrauch ehrgeizigeDemagogen von der abergläubischen Heftigkeit der attischen Menge im Pelo-ponnesischen Kriege machten; und wie Feldherrn, welche zur See gesiegt, aberdurch einen Sturm verhindert, die Leichen ihrer Toten nicht aus dem Meeregerettet hatten, zum Tode verdammt wurden.

Was war bei dieser Art zu denken und zu empfinden natürlicher, als daßder Tod fürs Vaterland zu Athen durch eine öffentliche Bestattung belohntwurde? Überdem war die Gleichheit zu Athen nicht allein die Grundlage dergesetzlichen Verfassung, sondern auch allgemeiner Geist des Volks. Nachdem Gesetz der Gleichheit aber schien der Staat denjenigen Mitbürgern, welchebei gleicher Verpflichtung aller, ihr Leben allein zum Vorteil der Übrigge-bliebenen verloren hatten, einen Ersatz schuldig zu sein. Was konnten dieLebenden tun, um sich dieser Schuld zu entledigen, als die Verstorbenen ehrenund ihre Witwen und Eltern schützen und pflegen, ihre Kinder aber auföffentliche Kosten erziehen?

Die Athener taten das erste und auch das letzte nach einer väterlichen Sittefür die im Kriege Umgekommenen.Die Gebeine der Verstorbenen", sagtThukydides,werden drei Tage zuvor auf einem bedeckten Gerüst zur Schauausgestellt; jeder bringt den Seinigen, was er etwa noch zu bringen hat. AmTage der Bestattung werden Gefäße von Zypressenholz auf Wagen gefahren,für jeden Stamm eins. Darin sind die Gebeine des Stammes, von dem jeder war.Jeder Bürger und Fremde, welcher will, begleitet den Zug. Auch die verwandtenFrauen sind bei dem Begräbnisse zugegen, wehklagend. Dann werden die Ge-fäße in das öffentliche Denkmal gesetzt, welches in der schönsten Vorstadt(im äußeren Kerameikos, am Wege nach der Akademia) liegt. (Sie begra-ben die im Kriege Umgekommenen immer an demselben Ort, außer die zua «"athon: denn weil sie ihre Tapferkeit für einzig hielten, so errichteten sieauch _ ih nen allein dort auf dem Platz ihr Grabmal.) Sind sie mit Erde bedeckt,so tritt ein vom Staate gewählter Mann, welcher an Einsicht nicht ungeschicktzu Se in scheint und an Würde hervorragt, vor dem Grabmal auf eine hohe Stufe,damit er so weit als möglich von der Versammlung gehört werden kann undhält über sie eine zweckmäßige Lobrede." Dieser Epitaphios (Logos): denn sonannten die Hellenen jene festliche Lob- und Trauerrede auf die für den Staat

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