den Blick niederwirft, sich den Seinen entreißt, sich von Rom wendet und aufherrlicher Flucht zu dem Feinde eilt, Decius, welcher sein Haupt verwünscht,sich den unterirdischen Gottheiten weiht und in die offenen Arme des Todesstürzt, scheinen uns Halbgötter. Man vergleiche sie mit der himmlisch freu-digen Einfalt des Bulis und Sperthias; man vergleiche sie mit der heiternFröhlichkeit des Leonidas! Sie sind Barbaren. Sie erfüllen das Gesetz, abefohne Liebe. Die Vaterlandsliebe war nicht die Triebfeder derer, die bei Ther-mopylae starben, denn sie starben für das Gesetz, sondern ihre Belohnung.Ihr heiliger Tod war der Gipfel aller Freude. Im echten Staate, dessen ZweckVollständigkeit in der Gemeinschaft mehrerer freier Wesen ist, gibt es eineöffentliche Liebe, einen unendlichen Wechselgenuß aller in allen. Das wafes, dessen Verlust der unglückliche Lakedämonier, welchen das Gesetz mitSchande belegte, nicht überleben konnte; das unterschied die Dorier durchmilde Großheit von den Römern; dies verbreitet über das Leben eines BrasidaSden Glanz selbstgenugsamer Freudigkeit. Die Römer nähern sich hingegenan hoher Selbständigkeit dem attischen Stil, und sie übertreffen die Dorierund Athener an Kraft nach außen sehr weit. Der heftigste Kampf riß gewalt-sam ihr Inneres bis zum Schwulst heraus; sie sind die Athleten der Tugend.In Kreta und zu Thebae schwelgte man in den Gefühlen der begeisterten Vater-landsliebe und männlichen Freundschaft; und der Genuß und das Gefühl dieserschwelgenden Begeisterung wurde recht eigentlich der Zweck des Staates.(Fr. Schlegel, Über die Grenzen des Schönen, 1794.)
TOD FÜRS VATERLAND.
Die'Hellenen waren ein spielendes Volk, und schon die Homerischen Heldenehren den Patroklos durch Wettkämpfe bei seiner prächtigen Bestattung-Festliche Freude schien ihnen das echteste Band der Gemeinschaft zwischenGöttern und Menschen und schöne Spiele die heiligste Gabe, die reinste Ver-ehrung. Durch gymnastische Spiele und musikalische Feste an ihrem Grabeehrten sie vergötterte Helden, und selbst in der Blütezeit der hellenischenFreistaaten wußten sie für die gottähnlichen Tugenden der größten Bürger,eines Brasidas und eines Timoleon, keinen schöneren Lohn als diese Ehreeines heroischen Denkmals.
Die Athener insbesondere strebten nach Ruhm und Lob, nicht mit Leiden-schaft, sondern mit Raserei; in abergläubischen Gebräuchen ängstlich ge-wissenhaft, waren sie zur Schwärmerei geneigt, und die äußerste Reizbarkeitzum innigsten Mitleid an fremden Leiden, wie zum tiefsten Schmerz über eigne,ist eine ihrer eigentümlichsten Eigenheiten. Daher war, nach dem Zeugnissedes Demetrius Phalereus, schon vor Solon die Pracht der Athener bei Bestat-tungen so hoch gestiegen, die Klagen so sehr in selbstzerfleischende Wut aus-geartet, daß er auch hierin die attische Heftigkeit durch Gesetze nicht zu ver-tilgen, aber bis zu einer schönen Empfindsamkeit zu mildern versuchte: denndieser liebenswürdige und menschliche Weise, der noch als Greis fröhlich zuscherzen wußte, gestand ja selbst den rührenden Wunsch, nicht unbewein*
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