Geistes und aller seiner, auch der kleinsten Äußerungen, wurde ernster En-thusiasmus, ein gewaltsames Streben und harte Größe. Der Mensch schien
vor seiner eigenen plötzlichen Größe zu erschrecken.--------
Der beste Kommentar zum Studium der dorischen Schule ist der Charak-ter der Dorier selbst während ihrer schönsten Zeit, welchen man aus demThukydides und auch aus Pindar kennenlernt. Der Ton ihrer Sittlichkeitwar Größe, Einfalt, Ruhe; friedlich und doch heldenmütig lebten sie in eineredlen Freude. Eben dieser Geist: Größe, Einfalt und Ruhe, beseelte auch ihreVerfassungen und ihr bürgerliches Leben, erzeugte ihre gerühmte Eunomie.Die Grundlage ihres Charakters war eine schöne Anhänglichkeit an väterlicheSitte und väterlichen Glauben. Ihre Bildung, ihre Tugend selbst war eineväterliche Sitte. Aber, da der Ehrgeiz und Luxus, welcher ganz Griechenlandergriff, auch die dorischen Verfassungen und Sitten verderbte, so verschwandauch ihre Tugend, und mit dieser ihre Kunst, welche nur ein Organ ihrer ein-fachen Tugend war. Die Athener haben noch nach ihrem Falle das mensch-liche Geschlecht durch ihre Philosophie umgestaltet, aber die Dorier warenforthin gar nichts mehr wert; mit einem Streich fiel alles. (Fr. Schlegel,Prosaische Jugendschriften, 1794—1802.)
GRIECHISCHE HOFFNUNG AUF BEFREIUNG DURCH ROM.
Eine frohe Bewegung war in ganz Hellas. Auf allen Straßen sah man dasVolk in freudiger Hast; Männer und Jünglinge verließen die heimische Woh-nung und zogen zur Feier des großen Festes nach der Landenge von Korinth.Ein verheerender Krieg, der jahrelang die Bewohner der friedlichen Land-schaft geängstet und fast alle Staaten mit dem drückenden Joche mazedoni-scher Knechtschaft bedroht hatte, dieser Krieg war siegreich beendigt; dergefürchtete Feind war gedemütigt, und unter dem Schutze großmütiger Bundes-genossen sahen die meisten dem Aufgang einer besseren Zeit mit Zuversichtentgegen. Da ward von vielen mit Begeisterung der Name der Römer genannt,die ein Volk fremden Stammes, und unlängst noch selber von den Kartha-gern bedroht, über das Meer gekommen, um den Bewohnern von Hellas dieFreiheit zu bringen. Der Heldenmut, den sie in den Schlachten bewiesen, dieUneigennützigkeit, mit welcher sie die Bedrängten, namentlich die Athener,geschirmt, schienen eine sichere Bürgschaft für die Zukunft, und erfüllten dieGemüter mit frohem Vertrauen. Die Aitolier zwar sahen mit Mißtrauen aufdie Schritte der Römer und erkannten darin mehr trügerische Staatskunstals aufrichtiges Wohlwollen. Jedoch ihre Mahnungen fanden wenig Eingangbei der frohsinnigen und leicht bewegten Menge; nur wenige versanken inernsteres Nachsinnen über des Vaterlandes künftiges Schicksal und folgten, ge-teilt zwischen Hoffnung und Furcht, dem Strome des Volkes. So, mit gespannterErwartung, strömten zusammen die Bewohner vieler Gauen und Städte;mehr und mehr füllten sich die Straßen des reichen Korinth, und es war einunaufhörliches Drängen und Wogen der flutenden Menge. Endlich erschiender Tag, an welchem man seit uralter Zeit den Gott des Meeres durch feierliche
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