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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
Seite
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DAS WESEN DES DORISCHEN STAMMES.

Das Gesicht des dorischen Stammes ist mehr nach der Vergangenheit alsZukunft gewandt. So ist es auch gekommen, daß die Dorier unter allen Grie-chenstämmen das althellenische Leben am treuesten bewahrten und am rein-sten darstellten. Alle Fortschritte waren bei ihnen stetig, und die Verände-rungen des Zustands fast unmerklich. Mit jenem Streben nach Einheitim Ganzen ist der Sinn für das Maß in jeder Beziehung verwandt. Auch derKunst wird durchaus das strengste Maß auferlegt und jede üppige Rankem»t schonungslosem Messer abgeschnitten. Die dorische Lebenssitte befiehltMaßhaltung in jeglichem Tun; darin besteht die Sophrosyne. Eine Haupt-absicht des apollinischen Kultus war, das ruhige Gleichgewicht des Gemütszu erhalten, und alles Sinnzerrüttende, zum Taumel Aufregende, die innereKlarheit Verdunkelnde zu entfernen. Der dorische Sinn will überall eine reineund klare Harmonie, die auch im kleinsten harmonisch sei. Dissonanzen,wenn sie auch in Harmonie aufgelöst werden, sind nicht dem Geschmacke desVolksstammes gemäß. Die Harmonie muß ihren völligen Schluß haben undnicht das Unendliche offen lassen. Die nationalen Melodien waren gewiß inDur und nicht in Moll; der allgemeine Akzent der Sprache trug das Geprägedes Befehls oder des Apophtegmas, nicht der Frage oder Bitte. Die Befriedi-gung des Daseins verdrängt fast die Sehnsucht und das Vertrauen auf dieQuelle dieses Daseins, die Gottheit, gänzlich die weiche KJage. Das Strebenins Schrankenlose, Endlose wird möglichst abgeschnitten. Der Blick ist nichtauf das Werden, sondern auf das Sein gerichtet. Das Leben geht in ruhigerDarstellung dieses Seins auf, das zu erkennen, zu bewahren, rein zu gestaltendie höchste Aufgabe ist. Alles ungewußte Jenseits ist nur die dunkle Grenzeund alles Dunkle dem Gotte verhaßt. Der Sinn des Volkes hängt mit Freudean dem klaren, leibhaften Dasein. Das Fremde und Nichtanaloge stehtaußerhalb. Eben darum ist der Mensch dem Menschen hauptsächliches undfast einziges Augenmerk. Diejenigen Empfindungen, durch die der Menschgleichsam mit der Natur verschmilzt, sind der dorischen Religion ursprünglichfremd. Auch wird die äußere Beschäftigung mit der Natur für unwürdig ge-halten und dem eigenen Dasein seine Vollendung und Reife zu geben, als dasallein angemessene Ziel menschlicher Bestrebung angesehen. (Karl OtfriedMüller, Die Dorier, 1824.)

DIE ATHENER UND DIE DORIER.

er Sc hwung der griechischen Nation hatte noch nichts von seiner erstenra verl oren, als der persische Krieg sie zwang, alle ihre Kräfte aufs äußerstezu spannen und zu vereinigen, um ihre Freiheit zu behaupten. Es gelang: vor-zuglich durch die Athenienser, ein Volk, dem an tiefer Reizbarkeit und Wirk-samkeit aller menschlichen Kräfte kein andres gleichgekommen ist. Ihr Cha-rakter war schon vorhin Freiheitsliebe und rastlose Tätigkeit aller Art; derie g erhöhte ihn zum erhabensten Ehrgeiz. Der Ton des menschlichen

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