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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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keine eilfertige Weisheit treibt sie zu unzeitiger Reife. Sich selber überlassen,wie der werdende Diamant, ist ihre Kindheit. Man hört beinahe nichts vonihnen, bis in die Zeiten des Pisistratus und Hipparch. Nur wenig Anteil nahmensie am trojanischen Kriege, der, wie im Treibhaus, die meisten griechischenVölker zu früh erhitzte und belebte. Kein außerordentlich Schicksal erzeugtden Menschen. Groß und kolossalisch sind die Söhne einer solchen Mutter,aber schöne Wesen, oder, was dasselbe ist, Menschen werden sie nie oder späterst, wenn die Kontraste sich zu hart bekämpfen, um nicht endlich Friedenzu machen.

In üppiger Kraft eilt Lacedämon den Atheniensern voraus und hätte sicheben deswegen auch früher zerstreut und aufgelöst, wäre Lykurg nicht ge-kommen und hätte mit seiner Zucht die übermütige Natur zusammengehalten.Von nun an war denn auch an dem Spartaner alles erbildet, alle Vortrefflich-keit errungen und erkauft durch Fleiß und selbstbewußtes Streben, und sovielman in gewissem Sinne von der Einfalt der Spartaner sprechen kann, so wardoch, wie natürlich, eigentliche Kindereinfalt ganz nicht unter ihnen. DieLacedämonier durchbrachen zu frühe die Ordnung des Instinkts, sie schlugenzu früh aus der Art, und so mußte denn auch die Zucht zu früh mit ihnen be-ginnen; denn jede Zucht und Kunst beginnt zu früh, wo die Natur des Men-schen noch nicht reif geworden ist. Vollendete Natur muß in dem Menschen-kinde leben, eh' es in die Schule geht, damit das Bild der Kindheit ihm dieRückkehr zeige aus der Schule zu vollendeter Natur.

Die Spartaner blieben ewig ein Fragment; denn wer nicht einmal ein voll-kommenes Kind war, der wird schwerlich ein vollkommener Mann.freilich hat auch Himmel und Erde für die Athener, wie für alle Griechen,das ihre getan, hat ihnen nicht Armut und nicht Überfluß gereicht. Die Strah-len des Himmels sind nicht wie ein Feuerregen auf sie gefallen. Die Erde ver-zärtelte, berauschte sie nicht mit Liebkosungen und übermütigen Gaben, wiesonst wohl hier und da die törige Mutter tut.

Hierzu kam die wundergroße Tat des Theseus, die freiwillige Beschränkungseiner eigenen königlichen Gewalt.

O! solch ein Samenkorn in die Herzen des Volks geworfen, muß einenOzean von goldenen Ähren erzeugen, und sichtbar wirkt und wuchert es spätnoch unter den Athenern.

Also noch einmal! daß die Athener so frei von gewaltsamem Einfluß allerArt, so recht bei mittelmäßiger Kost aufwuchsen, das hat sie so vortrefflichgemacht, und dies nur könnt' es!

Laßt von der Wiege an den Menschen ungestört! treibt aus der engvereintenKnospe seines Wesens, treibt aus dem Hüttchen seiner Kindheit ihn nichtheraus! tut nicht zu wenig, daß er euch nicht entbehre, und so von ihm euchunterscheide, tut nicht zuviel, daß er eure oder seine Gewalt nicht fühle, undso von ihm euch unterscheide, kurz, laßt den Menschen spät erst wissen, daßes Menschen, daß es irgend etwas außer ihm gibt; denn so nur wird er Mensch.Der Mensch ist aber ein Gott, sobald er Mensch ist. Und ist er ein Gott, so ister schön.Sonderbar! rief einer von den Freunden.

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