reiche jonische Samos des göttlich geachteten Mannes sich rühmt, der zuersteinen höhere Menschlichkeit beabsichtigenden Bund ersonnen, so ist die un-ansehnliche Samos Thrakiens herrlicher in der Geschichte der Menschheitdurch den Dienst der Kabiren, den ältesten des ganzen Griechenlandes, defmit dem ersten Licht höheren und besseren Wissens in diesen Gegenden auf-ging, und der nicht eher als zugleich mit dem alten Glauben selbst unterge-gangen scheint. Aus den Wäldern Samothrakiens erhielt Griechenland mitder geheimeren Göttergeschichte zuerst den Glauben an ein zukünftiges Leben.Besser und für das Leben wie für den Tod fröhlicher wurden nach allgemeinerÜberzeugung die dort Eingeweihten. Eine Zuflucht des Unglücks, ja desVerbrechens, soweit es durch Bekenntnis und Entsündigungen versöhnt wer-den mochte, hielt in Zeiten früherer und späterer Wildheit samothrakischerGebrauch menschliches Gefühl aufrecht. Kein Wunder, daß der Name defheiligen Insel mit allem verwebt wurde, was die ältesten Geschichten Ehr-würdiges und Ruhmvolles aufbewahrten. Jasion und Dardanus, Orpheusund die Argonauten, Herkules auch und Ulysses, sollen teils den geheimenDienst dort geordnet teils die Weihen empfangen haben. Den PythagoraSnennt eine weder unwahrscheinliche noch unwichtige Nachricht unter denen,die Weisheit dort suchten und fanden. Bei den kabirischen Orgien sahen sichzuerst der makedonische Philipp und noch Kind die Mutter des großenAlexander, Olympias, vielleicht nicht ohne Einfluß auf das künftige Schick-sal ihres Sohnes. Plutarch erwähnt ausdrücklich, daß diese Frau ihrganzes Leben der orphischen und bacchischen Begeisterung ergeben gewesen.
-------Ich weiß nicht, ob die Vermutung schon geäußert worden, daß diesef
von der Mutter auf den Sohn ihm unbewußt übertragene dionysische Anhauch
es war, der den trunkenen Jüngling über den Indus führte.-------
Selbst der Römer Herrschaft schonte der Freiheit und alten, wie es scheinttheokratischen Verfassung Samothrakes; dort suchte seines Reiches beraubtder letzte makedonische König eine Freistatt, aus der ihn nicht Gewalt defschon übermütig herrschenden Römer, sondern die Heiligkeit des Ortes selbstund der am eigenen Feldherrn verübte Mord austrieb. Dort hätte, wenn nichtdurch Nordstürme zurückgetrieben, kurz vor seinem Ende noch der edleGermanicus die Weihen empfangen. Schriftsteller aus späterer Kaiserzeiterwähnen der samothrakischen Heiligtümer im Genuß fortdauernder Ver-ehrung, und wenn auch nicht in noch bestehenden heiligen Gebräuchen defAltertumsforscher Züge aus dem Bild des alten samothrakischen Dienstes zUerblicken meinte, so würde man anderen Spuren zufolge seine Fortdauer biszum Ende des zweiten, ja wohl bis ins dritte Jahrhundert der christlichenZeitrechnung verfolgen können. (Fr. W. Jos. Schelling, Über die Gottheitenvon Samothrake, 1815.)
VESTA.
So wie Vulkan die zerstörende und auch die bildende Flamme, das ver-zehrende Feuer und die alles schmelzende Glut bezeichnet: so ist der Vestahöheres Urbild das heilige glühende Leben der Natur, das unsichtbar mi 1sanfter Wärme durch alle Wesen sich verbreitet.
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