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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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oder unterjochte Natur feiert wieder ihr Versöhnungsfest mit ihrem verlorenenSohne, dem Menschen. Freiwillig beut die Erde ihre Gaben, und friedfertignahen die Raubtiere der Felsen und der Wüste. Mit Blumen und Kränzen ist derWagen des Dionysos überschüttet: unter seinem Joche schreiten Panther undTiger. Man verwandele das Beethovensche Jubellied derFreude" in ein Gemäldeund bleibe mitseiner Einbildungskraft nicht zurück, wenn die Millionen schauer-voll in den Staub sinken: so kann man sich dem Dionysischen nähern. Jetztist der Sklave freier Mann, jetzt zerbrechen alle die starren feindseligen Ab-grenzungen, die Not, Willkür oderfreche Mode" zwischen den Menschen fest-gesetzt haben. Jetzt, bei dem Evangelium der Weltenharmonie, fühlt sichjeder mit seinem Nächsten nicht nur vereinigt, versöhnt, verschmolzen, son-dern eins, als ob der Schleier der Maja zerrissen wäre und nur noch in Fetzenvor dem geheimnisvollen Ur-Einen her umflattere. Singend und tanzendäußert sich der Mensch als Mitglied einer höheren Gemeinsamkeit: er hat dasGehen und Sprechen verlernt und ist auf dem Wege, tanzend in Lüfte empor-zufliegen. Aus seinen Gebärden spricht die Verzauberung. Wie jetzt dieTiere reden und die Erde Milch und Honig gibt, so tönt auch aus ihm etwasÜbernatürliches: als Gott fühlt er sich, er selbst wandelt jetzt so verzückt underhoben, wie er die Götter im Traume wandeln sah. Der Mensch ist nichtmehr Künstler, er ist Kunstwerk geworden: die Kunstgewalt der ganzen Natur,zur höchsten Wonnebefriedigung des Ur-Einen, offenbart sich hier unter denSchauern des Rausches. Der edelste Ton, der kostbarste Marmor wird hiergeknetet und behauen, der Mensch, und zu den Meißelschlägen des dio-nysischen Weltenkünstlers tönt der eleusinische Mysterienruf:Ihr stürztnieder, Millionen? Ahnest du den Schöpfer, Welt?" (Friedr. Nietzsche, DieGeburt der Tragödie, 1872.)

SAMOTHRAKE.

Im Norden des ägäischen Meeres erhebt sich die samothrakische Insel, vonAnfang, wie es scheint, Samos genannt, darauf zum Unterschied von der joni-schen und wegen der Nähe Thrakiens, die thrakische. Erdkundige des Alter-tums schon vermuteten große Naturerschütterungen, die diese Gegenden nochzu Menschenzeiten betroffen. Es sei, daß durch bloße Anschwellung gehoben,die Wasser des euxinischen Meeres erst die thrakische Meerenge dann denHellespontus durchbrochen oder daß die Gewalt eines unterirdischen Feuersden Stand der Gewässer verändert: die ältesten samothrakischen Erzählungen,die durch aufgezeigte Denkmäler in Erinnerungen sich verwandelten, erhielteneine Kunde dieser Ereignisse, und bis in jene Zeiten hinauf rückten sie dieVerehrung und den Schutz der vaterländischen Götter. Die Schrecken dieserErinnerungen wurden erhöht durch die stets gegenwärtigen Schauer einer großenund mächtigen Natur; von Wäldern bedeckt, bildete das fast unzugänglicheEiland nur ein zusammenhangendes Gebirg, von dessen höchstem Gipfelwährend des Kampfs um Troja Poseidon die ganze Bergkette des Ida, desPriamos Stadt und der Danaer Schiffe überschaut. Dort ward in unbestimm-barer Vorzeit ein geheimnisvoller Götterdienst gestiftet, und wenn die viel-

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