Athen, sondern auch bei den Stammverwandten auf den Inseln und in Asiengefeiert wurden. Es sind teils die Erntefeste des Winters, teils die Frühlings-feste des kommenden und zuletzt in seiner vollen Lust und Herrlichkeit ein-tretenden Frühlings. Die ältesten und ursprünglichsten Weinfeste waren diekleinen oder ländlichen Dionysien, welche man im Wintermonate Dezemberauf dem Lande feierte, wo immer Wein gebaut und geerntet wurde. Esfolgten um die Zeit des kürzesten Tages die Lenaeen, eine städtische Nach-feier und festlicher Abschluß der ländlichen Weinfeste bei dem sogenanntenLenaeon, das ist Kelterstätte, dem ältesten und angesehensten Heiligtume desDionysos in Athen, welches im Stadtquartiere Limnae gleich unter dem großenTheater lag. Die Lenaeen waren vornehmlich Kelterfest, wo man des zuerstabfließenden süßen Mostes, den man Ambrosia nannte, genießend opferte undschmauste, sich und die Heiligtümer mit Efeu bekränzte. Nun folgten dieFrühlingsfeste, das erste (im Februar) mit einer Lust, die noch zwischen denGefühlen und Genüssen des Winters und denen des Frühlings geteilt war.Endlich die großen oder die städtischen Dionysien, welche im Monat Märzgefeiert wurden, das eigentliche Frühlingsfest. Ein Fest des Dionysos, alsBefreiers von der Not des Winters und von allen Mühen und Sorgen. Zugleichdas Fest, wo der attische Staat und seine reicheren Bürger die bedeutend-sten Anstrengungen machten, um Lustbarkeiten und Kunstgenüsse zu schaffen,die zu dem Auserlesensten gehörten, was in Griechenland möglich war. Sopflegten dann auch die Landbewohner, Bündner und Kolonisten samt vielenFremden nach Athen zu eilen, um die Stadt des feinsten Geschmacks in ihremhöchsten Glänze zu sehen. Zuerst gab es eine feierliche Prozession, wo sichnamentlich die Ritter von Athen zu zeigen pflegten. Ihre religiöse Bedeutungwar die, daß man das alte Holzbild des Dionysos in der Umgebung von Satyr-gestalten von jenem Heiligtum im Quartier Limnae durch den Kerameikos(den Korso von Athen) zu einem anderen in der fruchtbaren Gegend derAkademie gelegenen Heiligtum geleitete. Dann wurden kyklische Knaben-chöre aufgeführt und ein dionysischer Festzug mit Gesängen und Masken,deren lustige Gestalten aus attischen Vasenbildern bekannt sind. Alles in derprächtigsten und buntesten Ausstattung. Namentlich schallte aus diesemFestzuge der Dithyrambus hervor, und die berühmtesten Dichter pflegten da-bei mit ihren Gedichten und musikalischen Kompositionen zu wetteifern.Von Pindar ist ein sehr schönes Bruchstück aus einem solchen für Athengedichteten Dithyrambus leider in sehr verderbtem Zustande erhalten, woalle Olympier aufgerufen werden, gegenwärtig zu sein, die Veilchenkränzeund die Spenden des Frühlings zu empfangen und mit dem jubelnden Choreden efeubekränzten Gott des Tages zu feiern, den Bromios, den Gott desJubels. „Das Kind des höchsten Vaters und der Kadmostochter zu singensind wir gekommen. Jetzt ist die Zeit, ja ist die Zeit, wo man duftende Veil-chensträuße auf die neuverjüngte Erde wirft, Rosen ins Haar flicht, und estönen die Klänge der Lieder zur Flöte, es tönen die Chöre von der Semele,der reich geschmückten." Dennoch begann der höchste Glanz des Festes erstmit der Aufführung der Komödien, Tragödien und Satyrspiele, wahrscheinlichan drei hintereinanderfolgenden Tagen, mit besonderem Aufwände und mit
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