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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
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neuen, das heißt eigens zu diesem Feste bei früherer Konkurrenz der Dichterausgewählten Stücken. Da war die Lust so groß, das Fest so herrlich, der An-drang von Bürgern und von Fremden so lebhaft, daß einer von diesen Tagenzugleich der gewöhnliche Ehrentag für bürgerliche Belohnungen war.Auch die Inseln und Küsten des ägäischen Meeres, größtenteils dem Wein-bau außerordentlich günstig, feierten neben Zeus und Apollon am meistenden Dionysos. Unter den Kykladen war es vorzüglich Naxos, die frucht-barste von allen, von welcher Dionysos ganz Besitz ergriffen hatte. Auchdas schöne Gedicht von dem Triumphe des Gottes über die räuberischenTyrrhener geht vorzüglich Naxos und die Inseln an. Die älteste Erzählungdavon ist die eines homerischen Hymnus. Dionysos ist im Begriff von Ikarosnach Naxos zu fahren, ein schöner Jüngling, dunkel umlockten Hauptes undmit purpurnem Mantel. Da greifen ihn tyrrhenische Seeräuber, schleppen ihnmit sich fort und binden ihn. Aber die Bande fallen ab, um die Segel spinntsich die Weinrebe, Eppich umrankt den Mastbaum, die Bänke bekränzen sich,Dionysos wird zum Löwen, die Schiffer stürzen sich sinnlos ins Meer undwerden zu Delphinen.

Ein ganz anderer Ton und Geist aber herrscht in den Dichtungen, die vonden Leiden des Dionysos im Winter berichten, besonders wenn wir die ihnenentsprechenden religiösen Gebräuche mit ins Auge fassen. Dionysos ist dannein verfolgter, gequälter, getöteter Gott. In Delphi, wo dieser Dionysos Za-greus mit nicht geringerem Eifer als Apollo verehrt wurde, zeigte man imAllerheiligsten des Tempels neben dem Dreifuße und einem goldenen Bildedes Apoll das Grab des Dionysos, an welchem die Vorsteher der Priesterschaftum die Zeit des kürzesten Tages geheime Opfer brachten. Denn man dachtesich, daß dieser Dionysos, nachdem er die mittlere Zeit in der Unterwelt zu-gebracht, immer ein Jahr um das andere von neuem geboren werde, oder mandachte sich ihn als einen Geflüchteten aber Wiederkehrenden, oder als einenZerrissenen aber Wiederbelebten. In Thrakien, aber auch im eigentlichenGriechenland, war diese schwärmerische Dionysosfeier des Winters außer-ordentlich verbreitet. Dionysos kommt auf seinem Zuge durch die Welt vonLydien nach Theben, üppig und wohlgemut. Aber Pentheus, ein König vonTheben, ist sein Feind, der ihn greift und seine schwärmenden Chöre stört,weshalb er ein furchtbares Ende nimmt. Wie er die geheime Feier der-naden belauscht, zu welchem Zwecke er auf eine Fichte steigt, wird er von seinereigenen Mutter gesehen und für ein wildes Tier gehalten. Nun machen dierasenden Weiber Jagd auf ihn und zerreißen ihn: ein Zug, der sich auchsonst in den Dichtungen wiederholt, welche die tödlichen Wirkungen desWinters schildern, wie daran auch die Fichte erinnert. (Ludw. Preller, Grie-chische Mythologie 1854/55.)

EINUNG DES DIONYSOS MIT APOLLON.Titanenhaft" undbarbarisch" dünkte dem apollinischen Griechen auch dieWirkung, die das Dionysische erregte: ohne dabei sich verhehlen zu können,daß er selbst doch zugleich auch innerlich mit jenen gestürzten Titanenund Heroen verwandt sei. Ja, er mußte noch mehr empfinden: sein ganzes

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