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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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GESCHICHTE DES DIONYSOS UND SEIN KULT.Ein Gott von sehr umfassender Bedeutung, dessen wesentliche Natur aberdoch das Erdeleben betrifft, und zwar vorzugsweise das der vegetativen Schöp-fungen, sofern sie saftige Frucht und feurige Wirkung zeigen. Doch ist derWeinstock und seine Traube nur die köstlichste seiner Gaben, keineswegsdie einzige. Vielmehr bedeutet er den Saft und die Kraft des Erdelebensüberhaupt, wie es sich in Busch und Wald, in quellenden Bergen, frucht-tragenden Bäumen, feuchten Gründen offenbart, und der Weinstock ist wohlnur deshalb das Gewächs des Dionysos schlechthin, weil sich die eigentümlicheVerschmelzung von Flüssigkeit und Feuer, von Erdfeuchte und Sonnenwärmein ethischer Übertragung von Weichheit und Mut, Üppigkeit und Kraft, diedas ganze Wesen dieses Gottes durchdringt, in diesem Gewächs am sicht-barsten darstellte. Dionysos ist aller Jubel und aller Schmerz des vegetativenErdelebens, im Frühlinge alles Jubels, wie es aus dem Feuchten heraus insGrüne treibt, in Blüten und Früchten schwelgt, in den Strahlen der Sonnereift, bis es von ihr verzehrt wird, um im Winter dann wieder zu zergehenund in kalter Flut und finsterem Dunkel begraben das Äußerste selbst zuleiden und in der menschlichen Brust die verwandte Stimmung hervorzu-rufen.

Theben galt gewöhnlich für den Stammsitz des Gottes. Semele hieß seineMutter, eine der berühmten Töchter des Kadmos: eine Personifikation desim Anhauche des Frühlings von Fruchtbarkeit schwellenden Erdbodens, wiees scheint. Semele wird geliebt von Zeus, dem befruchtenden Regengotte desFrühlings, läßt sich aber durch die eifersüchtige Hera verleiten, eine Erschei-nung des Gottes in der vollen Majestät seiner Würde, das heißt mit Donner undBlitz zu fordern. Das darüber entsetzte, von den Flammen ergriffene Weibgebiert nun sterbend die unreife Frucht, welche auch von der Glut verzehrtworden wäre, wenn die Erde nicht kühlenden Efeu aus den Säulen des Saaleshätte wachsen lassen, so daß das Knäblein dadurch geborgen wurde. Daraufnimmt es Zeus und näht es in seinen Schenkel ein und gebiert es aus diesemvon neuem, nachdem die Stunde seiner Reife gekommen. Zeus übergibt denKnaben dem Hermes, der ihn den Nymphen von Nisa zur Auferziehungüberbringt. Als Dionysos groß geworden, pflanzt er den Weinstock, berauschtsich und seine Ammen und die Dämonen des Waldes und was sich sonst zuihm gesellt mit dem neuen Erdennektar und beginnt in rauschenden Zügenumherzuschwärmen voll süßer Lust und Trunkenheit.Und als die Göttinnenihn den Vielgepriesenen großgezogen hatten, siehe da schwärmte er um-her in den bewaldeten Schluchten und Tälern mit Efeu und Lorbeer dichtbekränzt. Es folgten ihm die Nymphen, er aber eilte voran, und schallendesToben erfüllte den weiten Wald."

Zwei Gegenden waren es auf dem griechischen Festlande, welche sicheiner ersten Mitteilung des Weinstocks rühmten, Ätolien und Attika. Dieattischen Dionysien geben den besten Begriff von dem Charakter des ein-facheren griechischen Dionysosdienstes, wobei zugleich zu beachten ist, daßsie größtenteils attisch-ionische Nationalfeste waren, die also nicht bloß in

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