lieh an den beiden Hauptstätten seines Gottesdienstes, zu Delos und Delphi.Hier ertönte vom ersten Frühlinge bis zum Herbste Apollons Preis und derPäan, während in den drei Wintermonaten vielmehr der Dithyrambos unddie Feier des leidenden Dionysos vorherrschte.
Auch erscheint Apoll als Versöhner und Erlöser in allen den Körper ver-zehrenden und den Geist umnebelnden Sünden und Schäden, sei es, daß na-türliche Krankheit oder daß Verbrechen und Schuld zugrunde lag. Er istin dieser Hinsicht ganz das Gegenteil jener dunklen Mächte des Schicksalsund der Rache, die im Finstern wohnen und aus dem Finstern wirken, währendApoll, wie sein eignes Wesen Glanz und Klarheit ist, so auch alles Düstreund Böse mit seinem milden Lichte überstrahlt und nicht duldet, sondern dieMittel zur Heilung und zur Versöhnung findet. Am weitesten war in dieserBeziehung die Entwicklung des pythischen Gottesdienstes gediehen mit derzugrunde liegenden Tatsache des Kampfes mit dem Drachen: woraus sich einebildliche Geschichte mit entsprechenden Gebräuchen gestaltet hatte, in wel-cher Apollo selbst die handelnde und leidende Person war. Er habe sich, sohieß es in dieser Sage, durch das vergossene Blut des Python verunreinigtgehabt, und deshalb fliehen und sich einer langen Buße unterziehen müssen.Und weil solche Buße ein sogenanntes großes Jahr oder eine Periode von achtvollen Jahren zu dauern pflegte, so wurde auch im Kultus diese Flucht undBuße alle acht Jahre um die Zeit der Pythien, wie es scheint, von neuem sinn-bildlich aufgeführt, so daß er also immer von neuem als der lichte reine Gott,der Erlöser von allem Unreinen zurückkehrte. Der Tod des Drachen wurdedann förmlich aufgeführt, und ein Knabe, der den Apoll vorstellte, mußtegleich darauf fliehen, bis in die Gegend von Tempe, in dessen LorbeerhainenApollon selbst Reinigung gefunden und als Reiner sein Haupt zuerst mitdem Lorbeerkranze geschmückt hatte. So mußte auch jener Knabe dienstbarwerden, bis die vorgeschriebene Zeit abgelaufen war, worauf er wie Apollon ge-reinigt und in feierlicher Prozession mit Daphnephorien, das heißt im Schmuckvon Lorbeerzweigen und Lorbeerkränzen mit entsprechenden Liedern durchThessalien und Delphi zurückgeführt wurde. (Ludw. Preller, GriechischeMythologie, 1854/55.)
JUNO UND JUPITER.
Das verschlossene Bild der Juno Ludovisi stellet die Königin des Himmelsdar, des höchsten Gottes Schwester und Gemahlin. Alle weibliche Majestät,Pracht und Größe ist in dies ruhige Antlitz gesenket. Sie hat nicht ihresglei-chen, ihresgleichen kann sie nicht haben, die göttliche, königliche Juno. Be-säßen wir vom Jupiter selbst ein Bild wie dieses!
Dennoch aber, ob uns gleich ein Phidiasbild vom höchsten Gott fehlet, istsein Charakter in allen Vorstellungen merkbar, Macht, Weisheit und Gütein ein unsterbliches Haupt versammelt. Was sein Weib in stolzem Anständezeiget, das ist er in ruhiger Würde: Vater der Götter, König des Himmelsund mit seinem Stabe ein Hirt der Völker. Der Blitz in seiner Hand hatdie Riesen zerschmettert und die Lüfte gereinigt; sein Blick hat den Elementen
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