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1 (1925) Das Bild der Antike bei den Deutschen
Entstehung
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nieder, faßt die heilige Palme, und hervor aus ihrem Schoß springt der Gottdes Lichtes, begrüßt von der dunklen Meeresflut, die sich im leisen Anhauchder Winde rings um die Insel emporhebt, und von dem lauten Jubel der Göttin-nen. Gleich greift er nach Bogen und Kithar, und wie er dahinschreitet, derlichte Gott mit den wallenden Locken und den klingenden Pfeilen, strahlt ganzDelos von goldenem Glänze. Oder wie Kallimachos dieses Wunder schildert:heilige Schwäne kommen gezogen und ziehen ihre Kreise siebenmal um dieInsel. Da wird Apollo geboren als das Kind des siebenten Monatstages, dasingen die delischen Nymphen das heilige Lied der Eileithyia. Da war allesgolden auf Delos, der ganze Boden der Insel und alle heiligen Stätten. Dersiebente Tag war in allen Monaten dem Apollo heilig, weil Leto ihn am sie-benten geboren.

Auf Apollons Geburt folgt die Stiftung seines Orakels zu Delphi und derTod des Drachen Python, den er mit den ersten Pfeilen seines Bogensniederstreckte. Die Dichter beschreiben diesen Drachen als ein von der Erdegeborenes Ungetüm, welches vom Gebirge und dem oberen Pleistostale in diefruchtbare Ebene von Krisa hinabkriechend die Felder verheert, die Nymphenverjagt, Menschen und Vieh würgt, die Bäche schlürft, die Berge in furchtbarenWindungen rings umkreist: ein schlangenartig gebildetes Ungeheuer, wie siedie Sagen aller Völker so oft schildern. Sobald Apollo bei Delphi erschien,hat er es gleich mit seinem Pfeil getötet und der Verwesung anheimgegeben.Auch erscholl nach diesem Kampfe zuerst das helle Lied des Sieges und destriumphierenden Lichtes, ir) ir| Tiair|ov, das seitdem von Ort zu Ort und vonJahr zu Jahr gesungen wurde, bis es für alle Welt zum gewöhnlichen Jubeldes Sieges und alles höchsten Preises und Dankes geworden war: ursprünglichein Kultuslied des apollinischen Dienstes.

Man feierte Apollo zu Delos und Milet auch zu Delphi als einen mit derbösen Jahreszeit in ferne Gegenden Abreisenden und bei Erneuerung desJahres Wiederkehrenden und gab ihm dabei förmlich das Geleite mit soge-nannten Entlassungsgesängen, wie man ihn im Frühjahr mit Einladungs-gesängen wieder herbeirief. Zeus schmückt den Apollo nach seiner Geburtmit goldener Mitra und Lyra und gibt ihm einen Schwanenwagen, auf daßer ihn nach Delphi trage, wo er Prophet und Richter über alle Griechensein soll. Aber die Schwäne eilen in die Heimat des Lichtes, zu den Hyperbo-reern, von wo die Delpher den Gott nun alljährlich, wenn der Sommer kommt,mit Päanen und schönen Chorgesängen herbeirufen. Auch heißt Apollo,nachdem er ein Jahr bei den Hyperboreern geweilt, seinen Schwänen, ihnnach Delphi zu führen, damit der heilige Dreifuß auch dort ertöne. Es sangendie Nachtigallen dem Gotte entgegen und die Schwalben und die Zikaden,alle nicht ihr eigenes Lied sondern von Apollo begeistert. Und auch die Flüssefühlen dann seine Nähe und die Kastalia strömt mit silbernen Strömungenund der Kephissos rauscht in höheren Wogen. Mithin war den Griechendie lichte Jahreszeit des Frühlings und des Sommers eine Offenbarung undRückkehr des Lichtgottes aus seiner hyperboreischen Heimat; daher Apollodann überall mit festlichen Hekatomben und jubelnden Chorgesängen be-grüßt wurde und auch seine Feste sämtlich in diese Jahreszeit fielen, nament-