du jetzt trauern mußt, so wird es nicht stets so sein! Nicht immer spanntApollo den Bogen, zuweilen weckt er auch aufs neue wieder zum Saiten-spiel die schweigende Muse!" (Karl Phil. Moritz, Götterlehre, 1791.)
APOLLONS GESCHICHTE UND KULT.
Der Gott der Sonne und des Lichtes: nur ist er freilich nicht die Sonne bloßals Erscheinung in dieser wandernden, am Himmel auf- und absteigendenGestalt des Helios, sondern die Sonne ist nur die hervorragende Erscheinungder Naturkraft, welche unter allen griechischen Göttern vorzüglich dieservertritt, der herrlichen, feierlichen, im erhabensten Sinne des Wortes gött-lichen Natur des Lichtes, der siegreichen Feindin von allem Unholden undWiderwärtigen und der alldurchdringenden Ursache von allem Schönen undHarmonischen. Apoll ist der Lichtgott schlechthin, im Lichte geboren undim Lichte wohnend, und insofern die erhebendste, das Gemüt noch jetzt er-greifende Gestalt der griechischen Religion. Am nächsten verwandt ist erdem Zeus, der ja auch Lichtgott ist, und der Athena, nur daß diese beidenmehr die Macht des Äthers ausdrücken, und besonders Zeus die mit dem Him-mel eng verbundenen atmosphärischen Wirkungen mit umfaßt, also auchmit der irdischen und sinnlichen Natur so viel mehr in Berührung tritt, dahin-gegen Apollons Charakter, namentlich der des pythischen Gottes, durchwegein hochfeierlicher, ernster und würdiger bleibt, auch in seiner Liebe und inseinem Haß. Immer ist seine Gestalt von einer heiligen Würde und Majestätwie umflossen. Seine Mutter ist Leto, eine Göttin, welche in Griechenlandneben ihren beiden Kindern Apollo und Artemis viel verehrt und als Gemahlindes Zeus gefeiert wird. Doch kann sie dieses nach althellenischer Tradition,welche nur Hera gelten läßt, nicht gewesen sein. Im Zusammenhange derDichtung von der Geburt des Apoll und der Artemis ist ihre Bedeutung dieder Nacht, aus welcher das Licht geboren wird. Von dem Gotte des Himmelsbefruchtet, gebiert sie den strahlenden Gott des Lichtes nach langem Kreißenund schweren Beängstigungen. Sie irrt förmlich im Kreise umher von Kretanach Athen und an der griechischen Küste bis zum Athos, dann an der thra-kischen und asiatischen, bis sie endlich in dem Mittelpunkte, wo die Radien die-ses Kreises zusammenlaufen, den gesuchten Ort findet in Delos. Überallweist man sie zurück, weil man sich fürchtet vor dem gewaltigen Gott, den siegebären werde. Endlich kommt sie nach Delos, der kleinen verrufenen, ganzunfruchtbaren Insel, die nichts zu bieten hat als hartes Gestein, Schaltiereund stinkende Robben, eine Zuflucht der Möwen und der Fischer. Delos läßtsich erst von Leto das Versprechen geben, daß ihr hehrer Sohn sie nicht wiederverlassen oder wohl gar in die wogende Meerflut hinausstoßen werde. End-lich erfolgt die Geburt. Neun Tage und neun Nächte dauern die Wehen,alle hilfreichen Göttinnen sind nahe, aber Hera, die eifersüchtige, läßt Eilei-thyia nicht vom Olymp. Da schicken die Göttinnen die Iris, um die Göttinder Entbindung zu holen, indem sie ihr ein prächtiges Halsband versprechen,eins von jenen wunderbar schönen Geschmeiden, die in den griechischenSagen oft erwähnt werden. Sie kommt also, und nun kniet Leto auf dem Rasen
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