schlechts, von dem Untergang der Heroenzeit. Es ist des größten Helden nichtunwürdig, sich nach dem Weiterleben zu sehnen, sei es selbst als Tagelöhner.So ungestüm verlangt, auf der apollinischen Stufe, der „Wille" nach diesemDasein, so eins fühlt sich der homerische Mensch mit ihm, daß selbst die Klagezu seinem Preisliede wird. (Friedr. Nietzsche, Die Geburt der Tragödie, 1872.)
APOLLON.
Das erste Urbild des Apollo ist der Sonnenstrahl in ewigem Jugendglanze.Den hüllt die Menschenbildung in sich ein und hebt mit ihm zum Ideal derSchönheit sich empor, wo der Ausdruck der zerstörenden Macht selbst in dieHarmonie der jugendlichen Züge sich verliert.
Die hohe Bildung des Apollo stellt die ewig junge Menschheit in sich dar,die gleich den Blättern auf den immergrünenden Bäumen nur durch den all-mählichen Abfall und die Zerstörung des Verwelkten sich in ihrer immer-währenden Blüte und frischen Farbe erhält.
Der Gott der Schönheit und Jugend, den Saitenspiel und Gesang erfreut,trägt auch den Köcher auf seiner Schulter, spannt den silbernen Bogen undsendet zürnend seine Pfeile, daß sie verderbliche Seuchen bringen, oder ertötet auch mit sanftem Geschoß die Menschen.
Unter den Dichtungen der Alten ist diese eine der erhabensten und liebens-würdigsten, weil sie selbst den Begriff der Zerstörung, ohne davor zurückzu-beben, in den Begriff der Jugend und Schönheit wieder auflöst und auf dieseWeise dem ganz Entgegengesetzten dennoch einen harmonischen Einklanggibt.
Daher scheint auch die bildende Kunst der Alten in der schönsten Dar-stellung vom Apollo, die unsere Zeiten noch besitzen, ein Ideal von Schön-heit erreicht zu haben, die alles übrige in sich faßt, und deren Anblick wegendes unendlich Mannigfaltigen, was sie in sich begreift, die Seele mit Staunenerfüllt.
Apollo und Diana sind die verschwisterten Todesgötter, sie teilen sich in dieGattung; jener nimmt sich den Mann und diese das Weib zum Ziele, und wendas Alter beschleicht, den töten sie mit sanftem Pfeile, damit die Gattungsich in ewiger Jugend erhalte, während Bildung und Zerstörung immer
gleichen Schritt hält.-------
Allein der jugendliche Gott des Todes zürnt nicht immer; der, dessen Pfeilverwundet, heilt auch wieder; er selbst wird unter dem Namen der Heilendemit einer Hand voll Kräuter abgebildet; auch zeugte er den sanften Äskulap,der Mittel für jeden Schmerz und jede Krankheit wußte, und selbst durchseine Kunst vom Tod erretten konnte.
Gleichwie nun in den wohltätigen und verderblichen Sonnenstrahlen undin der befruchtenden und Verwesung brütenden Sonnenwärme das Bildendemit dem Zerstörenden sich vereint, so war auch hier das Furchtbare mit demSanften in der Göttergestalt verknüpft, die jene Strahlen und jene Wärmeals ihr erhabenes Urbild in sich faßte. Daher gibt diesen Trost ein Dichteraus dem Altertum, indem er das Gemüt zu sanfter Freude aufheitert: „Wenn