Schluß. 367
Oberhoheit gelöstes Herzogtum und eine Souveränität, die ihn demKaiser und den übrigen europäischen Fürsten gleichberechtigt andie Seite stellte. Aus den wenigen Festungskompagnien desJahres 1640 war am Jahrhundertende ein Heer von 30000 Mann imFrieden, von mehr als 45000 Mann im Kriege geworden, das zuden tapfersten, best verpflegten und bekleideten Europas zählte.Der Kurfürst von Brandenburg, der 1650 noch keinen Pfennigfester Steuereinnahmen hatte, hatte vier Jahrzehnte später zweibis drei Millionen Taler zu seinem Heeresetat zur Verfügung'und wenn mit dem größeren Teile derselben den Landesbewohnernauch eine um 17, in einigen Provinzen sogar um 45°/o höhere Be-lastung auf den Kopf zugemutet wurde, als heute 2 , so war dochauch gerade aus dem Militärstaat der bedeutendste Antrieb fürGewerbe und Industrie hervorgegangen und die Stellung desbrandenburgischen Staates in Europa gab dem Handel weitausgrößere Möglichkeiten der Entfaltung als bisher.
Zur Verwaltung dieses Heeres und dieser Finanzen war eineZentralbehörde geschaffen worden, deren vielgegliederte Organisa-tion und tüchtiges Beamtentum wir kennen lernten. In dieserKommissariatsbehörde hatten die Stände, besonders die Ritter-schaft, mit richtigem Instinkt den eigentlichen Widersacher allerständischen Herrschaftsgebilde erkannt, und es zeugt für den ge-sunden Sinn der Treue, daß sie die Feindschaft, welche eigentlichden Herrscher treffen sollte, auf seine Diener übertrugen. Alsder absolute Staat schon unerschütterlich fest stand, fordertenselbst die kurmftrkischen Stände noch einmal im Jahre 1682 dieAufhebung des Generalkommissariats, die pommerischen Ständedie Abschaffung der „ungewöhnlichen Offizianten als Kommissarii,Jagd- und Steuerräte", und noch 1722 schreibt Friedrich Wil-helm I. in der Instruktion für seinen Sohn: das Amt einesGeneralkommissars sei ein so schwieriges, weil derselbe, wenn erseinem Könige treu dienen wolle, den ganzen Adel gegen sichhaben werde 8 . Aber der Haß der Stände bezeugte nur ihre
1 Näheres für die einzelnen Jahre vgl. in den Tabellenheilagen No. 76—80.
2 Breysig, Staatshaushalt, 190/191.
8 Schmoller, Entstehung des preußischen Heeres. Deutsche Bundschau,XII, 271. — Vgl. auch Philippsohn, Der Große Kurfürst II, 218; Spangen-herg, Hof- und Zentralverwaltung der Kurmark, 9 ff.; Küntzel, a. a. O.Schmoller-Festschrift 181.