Im Herzogtum Cleve und der Grafschaft Mark. 205
hatte, mußte man nachher in jahrzehntelanger unermüdlicherArbeit Schritt um Schritt wiedererobern, behaupten und festigen;was man von 1655—60 als ein gleichförmiges System rücksichtslosüber alle Lande warf, mußte nachher auf jedem einzelnen Punktedurch eine langsame Umformung und Durchdringung der rechtlichbestehenden Gebilde auch seinerseits rechtlich gegründet und durchneue Behörden und Verwaltuugsformen erst wirklich verk&rpertwerden.
Aber der Krieg hatte nicht nur das zu erstrebende Ziel vor-übergehend nahe und scheinbar verwirklicht gezeigt, hatte nichtnur die Schwächen der ständisch-partikularen Mächte offenbar ge-macht und dem Kurfürsten in dem Glauben an seine Macht eineunbesiegbare Stoßkraft verliehen, sondern auch in der einheitlichenVerwaltung eines stehenden Heeres eine Gruudlage zurückgelassen,auf der man den zukünftigen Bau errichten konnte. Die er-schöpften Kräfte Platens reichten dazu nicht mehr aus, aber seinFürst war bei seinem Tode mehr als je gesonnen, das Werk zuvollbringen, und ein neuer Krieg gab ihm die Macht, die neuenMänner Meinders und Grumbkow ihm die Möglichkeit, es zu tun.Das Mittel der Ausführung war wie in allen großen Kämpfen ein-heitlich und einfach: die partikularen Steuerverwaltungen wurdenvon oben und unten gespalten, in die so geschwächten wurden dieMilitärverwaltungen der Provinzen mit oder ohne Namen des Ober-kommissariats geschoben. Da diese von einer einheitlichen Spitzeher folgerichtig geleitet wurden, jene sich von Provinz zu Provinzselbst als „Fremde" betrachteten, so war damit bei einem kräftigenund klugen Herrscher, wie es Friedrich Wilhelm war, der zugleichdie geeigneten Helfer zu finden wußte, der Sieg der Zeutral-verwaltung verbürgt. Die Wege, auf deueu er errungen wurde,waren freilich wiederum in jeder Provinz verschiedene, der Kampfpaßte sich den eigentümlichen Bedingungen der Landschaften anund bald durch Verbindung mit der Regierung, bald mit denständischen Ausschüssen, bald durch Umbildung, bald durchNeubildung entstanden Oberkommissariate und Steuerdirektorien,welche bald die willigen Werkzeuge des Geueralkommissariateswurden. Unter der Leitung Grunibkows und besonders in denJahren 1683 und 1684, in denen der Kurfürst durch die französischenSubsidien eine größere Unabhängigkeit in Finanzdingen hatte,