204 !• Kap., 2. Abschn. Die gesamtstaatliche Militär- u. Steuerverwaltung.
wurde, gestaltete es sich bald zu einem selbständigen reich-gegliederten Kollegium mit Wilich-Bötzlar als seinein Direktor aus.Neben diesem und den erwähnten Regierungsräten zählte es inden neunziger Jahren zwei Oberkommissare und Kriegsräte, PaulFriedeborn und Otto Wilhelm Happe, zwei Kommissariatsräte,Paul Bergius und Friedrieh Wilhelm von Spaen, dem 1690 JohannMoritz von Blaspeil folgte, einen Rechenmeister und einen Ex-pedienten 1 zu seinen Mitgliedern. Auch jetzt wurde, um den An-griffen der erbitterten Stände gegen die neue Behörde zu be-gegnen, noch erwidert, diese sei kein neues Kollegium, aber ihrewachsende Selbständigkeit der Regierung gegenüber 2 und ihr ganzerGeschäftsgang ließen an der Tatsache keinen Zweifel übrig. Mitder steigenden Macht des Kommissariats in Cleve ging aber seineSelbständigkeit der Zentrale gegenüber mehr und mehr verloren;denn gerade in den eigentlichen Organen der neuen Staatsverwaltungmußte natürlich jeder selbständige Partikularismus erlöschen, jemehr die Idee der Verwaltungseinheit herrschend wurde; es lagim Wesen der Zentralisation selbst, daß sie nicht Träger der Idee,sondern nur ausführende Glieder sein konnten, daß sie die imGeneralkommissariat beschlossenen und stets von ihm geleitetenPläne nur vollbringen, nicht in eigener Tätigkeit anwenden sollten.Überblicken wir noch einmal die ganze Entstehung und Aus-bildung derProvinzialkommissariate unter dem(ieneralkommissariat,so ist diese wachsende Zentralisierung der Heeres- und Steuer-verwaltung und damit die Überwältigung der partikularen Ver-waltungskörper, mochten sie in den Ständen oder in den Regierungs-behörden selbst die Kraft ihres Widerstandes finden, das wesent-liche Ergebnis der Epoche bis zum Tode des Großen Kurfürsten.Im Schwedisch-Polnischen Krieg schien es eine Weile, als ob sichdieses Ergebnis in wenigen Jahren erringen ließe, aber was mandurch den „Casus Necessitatis" mit einem Schlage vorweggenommen
1 Friedeborns Best. s. o.; Best. Happes, Minden, l./ll. Nov. 1689 (Konz.gez. Grumbkow); Bergius: Best, zum Kriegskommissar, Brüssel, 9./19. Okt. 1690;zum Kommissariatsrat, Karlsbad, 29. Mai/8. Juni 1693; Best. Spaens zum Kriegs-und Kommissariatsrat, Cleve, 20./30. Sept. 1692; Best. Blaspeils ebenso, Colin,16./26. März 1696 (sämtliche Konz. gez. I). L, Danckelman). Kr. Min., 174,178 u. 193, 1. — Am 4. Mai 1697 wird noch ein früherer Auditeur Job. Friedr.Schmidt zum Kommissar in Cleve ernannt.
2 Hötzsch, vor allem 168ff.