Der Kriegsrat von 1630—1641. 27
zwar noch nicht vor, doch wurde diese Bezeichnung bald diedurchaus übliche. Zur besseren Erledigung der Geschäfte wurdenihnen alle Akten über die bisherigen Verhandlungen mit Wallen-stein und über die Austeilung uud Quotisation der Kontributionenunter den Ständen übergeben und der Geheime und KriegssekretärJobst Weiler zur Erledigung der Kanzleigeschäfte zugeteilt. IhreStellung zum Geheimen Rat wurde in der Weise geordnet, daßsie im Notfalle bedenkliche Sachen Schwarzenberg allein oder denübrigen Geheimen Räten mitteilten und von deren Rat Gebrauchmachten; auch konnten sie in den wichtigsten Fällen die Ent-scheidung des Kurfürsten selber anrufen oder durch den Geheimen Ratanrufen lassen l . Als Georg Wilhelm beim Herannahen der Schwedendie Mark verließ, übertrug er abermals in der Instruktion an dieGeheimen Räte ausdrücklich alle Kriegs- und Kontributionssachenan die dazu verordneten Räte und daß sie schon damals wirklichin eifrige Tätigkeit traten, geht aus der Bestallung von JohannKemnitz hervor, der auf Bitten der überlasteten Räte der Kriegs-kanzlei verpflichtet wurde, an ihren täglichen Sitzungen teil-zunehmen, da Andreas Koch wegen eines Pestfalles in seinemHause diesen fernbleiben mußte 2 . Die Werbungen vom Juni 1631und der Berliner Vertrag mit Gustav Adolf brachten dann eineneue Vermehrung der rein militärischen Geschäfte mit sich, unddie Kriegskanzlei erfuhr unter abermaliger Berufung auf dieÜberlastung des Geheimen Rates eine neue Verstärkung durchdie Berufung des eben erst (2. Juni) zum Kammergerichtsiat er-nannten Gerhard Rumilian von Kalkuni gen. Leuchtmar und desHauptmanns zu Ruppin und Bellin Curt Bertram von Pfuel, derseine Geschicklichkeit im Unterhandeln, die er bisher bei seinenSendungen an Wallenstein, Aldringer und Tilly bewährt hatte,nun vor allem bei Gustav Adolf beweisen konnte 3 . Konrad von
I Bestallung Colin, am 25. Mai 1630; Geh. St. Uep. 24 G fasc. 6, s. AktenNo. .'!. - Vgl. auch August Wilhelm, Prinz v. Preußen, Die Entwicklungder Kommissariatsbehörden (Berlin 1908), 26.
' Bestallung Colin, 8. Okt. 1630. Geh. St. Uep. 24 C, fasc. 6. — Vgl.auch Kurf. an Weiler, Lehnin, 8. Mai 1631; ebenda, II, fasc. 7.
II Die Akten über seine zahlreichen Sendungen von 1629—32 s. Geh. St.Rep. 24 C 1 fasc. 4; C 2 fasc. 6, 7, 9, 12 u. 16; C ', fasc. 14. — Daß Pfuel „andie Spitze des Kriegsrates als General-Kriegs-Kommissar gestellt ward", ist einIrrtum von F. Hultze, Geschichte des Kammergerichts II, l. r >9; Pfuel führtezwar später diesen Titel, aber als seh wedischejr Generalkommissar.