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Handbuch der deutschen Synonymik : bearbeitet nach dem größeren Werke des Herrn Professor Johann August Eberhard
Entstehung
Seite
256
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Vornehme und Reiche haben ihreGünstlinge unter den Gerin-ger!!, denen sie durch Gunstbczeu-gungcn wshltbun können. Ge-ringe und Arme haben k.ineGünstlinge, weil sie keineWoklthatcn erweisen können. Ciekönne» aber ihre Lieblingehaben.

Liebreiz. Grazie, ü. Diesanfte Schönheit in den Hand-lungen, Bewegungen und Stel-lungen Pös Körpers. V. Graziebezeichnt die Schönheit allgemein.Liebreiz aber heißt dieselbe nurbcy dem weiblichen Grschlcchte,und zwar nur in so fern, als siezugleich ein Ausdruck sittlicherSchönheit ist. Der Anstand einerSchauspielerin kann voll Gra-zie seyn; und dabey doch ein ngewissen Mangel am zartenScham-gcsnhl verrathen. Alsdann istdarin kein Liebreiz.

Lindern. Milder», st. DasUnangenehme vermindern. Ä-Man lindert aber eigentlich LenSchmerz, und mildert dasübel, das idu verursacht. DennGelinde ist das, was nickt starkgefühlt wird (S- Gelindere.);und Milde, was für den Ge-schmack nicht streng oder herbe ist.(S. Frepgebig re.). Eine nnoer-hosfte Freude lindert bisweilenunser» Kummer, wenn sie auchdie übel selbst, die uns drücken,nicht mildert. Wenn beydeWörter von deck stbeln selbst ge-braucht werden, so zeigt dochmildern bloß an, daß das übelselbst, lindern hingegen, daßdie Empfindung desselben vermin-dert werde.

!ivpe. Lefze. k>- Der obereund untere Rand des Mundes.V Lefze bezeichnet denselbenbloß von Seiten der Mat-rie alseinen Theil des Körpers. Lippedagegen bezeichnet ibn von Seitenseiner Form und als einen Sitzvon Ausdrücken dcS Innern.Lefze ist daher unedler, und wirdauch von dem Rande der S ck n a »-z e bey Tdicrcn gesagt. Lippeist edler, und man kann nur die-ses Wort gebrauchen, sobald da-bei) von Ausdrücken innerer Em-pfindungen u. s. f. die Rede ist.Auk ihren Ltppen thro-tCanft-murh und holde Freundl ebbest,list. Ränke, st. Versteckte Nit-tel zur Erreichung eims Zw cks»B. Eine List kann auch eiue» er-laubten Zweck haben und erlaubteMittel wählen. Jür Zweck kannsogar für den, der ihn nickt wist,heilsam sevn. Ränke haben im-mer ein» unerlaubten Zweck,oder wableu unerlaubte Mittel,und sind eben den um gcnö'biat,diese Mittel zu verbergen. Fernerkann eine L i st, wodurch man aucheinen unerlaubten Zweck zu errei-chen sucht, ein einzelner Streichscyu. Ränke bestehen immeraus einem Gewebe von niedrer»versteckten Kunstgriffen. Aufdiese Unterschieds führt auch dieAbstammung. L i st hat überhauptKlugbeit bedeutet, und kommtvielleicht bev von Lausche»,ehemals Losen, genau sehen.Hingegen Ranke stammt ab vonRanken, sich krümmen, win-den ; und deutit daher auf länaerc,verwebte Plane, wodurch manauf krummen Wegen seineZwecke zu erreichen sacht.