Lie 255 Lie
dem heutige» Sprachgebrauchswird doch dieser Begriff dabey ge«wbholich initgedacht. — DerLiebste ist derjenige, den einFrauenzimmerzu ihrem Ehemannegewählt hat; cs sey aus Liebe,oder weil er ihr aus arider» Grün-den der liebste ist. — Alleindieses Wort ist zu den niedrigernStänden hcrabgesunkcn, wo cssowohl der. erwählte» Liebha-ber, als auch den Ehemann selbstbedeutet.Buhle n hieß ehe-mals lieben und sich um Liebe be-werben. Allein jetzt wird cs nurin bbser Bedeutung genommen.Ein Buhler ist, nach dem ge-genwärtigen Sprachgebrauch«, einsolcher Liebhaber, mit dem einFrauenzimmer in einem verbotenenUmgänge lebt.
Liebkosen. Schmeicheln, ü.Jemande»» seine Liebe und Zärt-lichkeit durch sauste Reden oderHandlungen zu erkenne». V. Liebrkoke» wird ohne Unterschied derPersonen gesagt. Schmeichelnkann nur der Niedrige dem Hö-kern, der Jüngere dem .ltern.Die Mutter liebkoset ihrKind. Das Kind liebkoset dieMutter und schmeichelt ihr.—, Auf diesen Nebenbegriff inSchmeicheln führt Lie Ab-stammung von Schmirgeln»Schmiegen. Die Zusammen-setzung von Liebkosen hinge-gen deutet aus keinen solchenNebenbegriff. Denn Kosen be-zeichnet bloß em vertrauliches Ge-schwätz.
Liebling. Schooßkind. ü.Derjenige, d, n h m.iw am meistenliebt. V. Der Liebling wirdam meisten geliebt; dasSch 0 0 ß-
kind ausserdem noch am meistenuns am zärtlichsten gehegt undgepflegt. Ein Sch 0 0 ßkind istdaher allemal auch ein Liebling.Aber nicht umgekehrt. Denn mankann auch unter solchen Personeneinen Liebling haben, denenmg» gar keine, oder doch keinesolchen Beweise seiner Zärtlichkeitgeben kann, dergleichen dasSchooßkind genj.ßt. Werden Cäsar für seinen Lieblingunter den alten Helden erklärt,der kan» ihn doch nicht seinSchooßkind nennen. Ausser-dem ist die Liebe zu eincmS ch 0 0 ß-kinde bloß sinnlich und instinkt-artig, wie sie zu einem Kinde,das »och auf dem mütterlichenSchooße liegt, auch nur seynkann. Die Liebe zu einem Lieb-linge kann die vernünftigstenGründe haben. Man nennt einengroßen Dichter einen Lieblingder Musen; hingegen denjenigen,der mehr Glück hat als er cs ver-dient, ein Schooßkind desGlücks; weil das blinde Glückseine Begünstigten nicht nach ver-nünftigen Gründen, sontcrnnachzufälligen Launen wählt,iebling, Günstling. ü.Der,jenige, den jemand durch seineGunstbezcuaunqen vor allen aus-zeichnet V. Bcy dem Lieblin-ge hat diese Auszeichnung allemalin einer vorzüglichen Liebe ihrenGrund. (S. den vor. Art). Bepdem G ü » stlinge kan» sie auchandere Gründe haben, z. B. inden Verd.ensten desselben; denndieses Wort deutet bloß auf dieAuszeichnung durch Gunstbe-zeug u n g e u, sie geschehe, auswelchem Grunde sie wolle. —Vor-