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Weilburg. Noch einen Augenblick, stolze TochterAlbions — ich will Ihnen ein Märchen erzählen: es wareinmal ein junger Mann, der im tollen Uebermuth seinerJugend nirgends eine Schranke sah, und die Menschen er-laubten ihm Alles, weil sie dachten: der Tollkopf meint'snicht bös und wird sich schon mit der Zeit austollen.Wenn der Held meines Märchens ein schönes Mädchenan seinem Wege fand, dann hielt er an auf seinem wag-halsigen Ltssplo olieass durch's junge Leben und glaubtesich berechtigt, nicht eher weiter zu rennen, bis er dieLippen zum Lächeln, die Wangen zum zarten Erröthenund die Augen zu einem schalkhaften Aufschlag gebrachthatte. — Es gelang ihm damit auch allenthalben.
Ellen. Der Held Ihres Märchens scheint ein sehreingebildeter Mensch gewesen zu sein.
Weilburg. Da traf er zwei ernste Lippen, zweiWangen, die sich um keinen Farbenton tiefer röthen wollten,zwei Augen, die ihn stolz anblickten, wie die Augen einerKönigin — und nirgend hatte er schönere Lippen, Wangenund Augen gesehen. Da sank sein Uebermuth so schnelldahin, wie der perlende Schaum eines Champagnerglases— und — der vor wenigen Minuten als ein kecker Jüng-ling an das stolze Mädchen herangetreten war, stand jetzt vorihr als ein ernster Mann. Werden jene gebietenden Augenden Mann nicht vertrauensvoller anblicken als den Jüngling?
Ellen. Ich will Ihnen dagegen auch ein Märchenerzählen: es war einmal ein junger Mann, der sich beiden Frauen für unwiderstehlich hielt. Wenn ihm zweiLippen lächelten, so hielt er es für das Lächeln desBeifalls — es war aber ein Lächeln über seine Albern-heit. Sah er zwei Wangen erröthen — so hielt erdas für den Widerschein einer Flamme, die er imHerzen angefacht — es war aber das Roth des Zornesüber seine Dreistigkeit. Sah er, daß ihn zwei Augenschalkhaft anblickten, so hielt er das für den Verboten einererwachenden Zärtlichkeit — es war abex nur Spott übersein vergebliches Bemühen. — Als null der Held meinesMärchens sich einmal zwei ernsten Lippen, zwei kaltenWangen und zwei gleichgültigen Augen gegenüber sah, da