Druckschrift 
2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
405
Einzelbild herunterladen
 

4o5

griffen, die Dichter hatten durch den deutschen Kaiser, durchseine Liebe zum Gesang und zu allen Arten von Kenntnissen undWissenschaft, große Ermunterung erlangt. Es war aber auchder letzte Trieb einer zarten, ihrem Tode nahen Pflanze.

Juso fern Schwaben oder Alemanien den Ton in der deut-schen Ritterdichtkunst angab, und ihr die zarteste Mundart lieh,konnte man die deutschen Sänger schwäbische Dichter nennen,wie man in neuern Zeiten vorgeschlagen hat. Nur umschlößedieser Nähme weder das ganze poetische Rirter-Chor, noch denganzen Zeitraum ihrer Dauer. Es sangen ja die Dichter inallen Gegenden von Deutschland, in Thüringen und Österreich,in Meißen, Böhmen, Schlesien und Brandenburg, in Bra»bant und am Rhein. Die Ritterdichtkunst dauerte auch inDeutschland länger, als das schwäbische Haus den deutschenThron besaß; denn nach dem Jahre 1264 stand sie wenigstensnoch fünfzig Jahre in der Blüthe. Gewöhnlicher und älter istder Nähme Minnesänger, der aber wieder einen andern Fehlerhat, daß er die Dichter bloß von der einen Gattung, demLieblingsgesange, bezeichnet, da doch ihre poetischen Versucheweiter gingen.

Schon in .der Mitte des dreyzehnte» Jahrhunderts warenalle Dichterfreunde aus dem schwäbischen, thüringischen undösterreichischen Hause weggestorben, und ihre Stelle blieb derDichtkunst unersetzt. Das Rirter-Jnstitut verlor in Deutschlandviel von seiner alten Würde, seitdem die Pracht des Hofesder Hohenstaufen, und der Aufwand bey so manchem Kreuz-und Ritterzuge die Wohlhabenheit des deutschen Adels tiefherab gebracht, und die darauf erfolgte Armuth eines Theilesund andern Theiles das alles zerrüttende Interregnum nach demAbgänge jenes Kaiserhauses, in dem Adel allen edlen Sinnerstickt, und ihn in einen Rauf- und Räuberstand verwandelthatte. Die Kriege Österreichs mit der Schweiz waren inson-derheit für den an edlen Häusern sonst so reichen Strich amBodensee und am obern Rheine zerstörend, und richteten viel«dort blühende Familien zu Grunde. Nach Friedrich dem