Anekdoten.
Anekdoten von Gelehrten*).
Kanzler Düprat ließ durch einen Parlamentsspruch diePrivilegien der medicinischen Facultät zu Montpellier vernich-ten. Rabelais beschloß, zu versuchen, ob er durch seine Bered-samkeit den Kanzler vermögen könne, den Spruch zu wider-rufen. Aber wie sollte er zu ihm gelangen? es war nicht leicht,eine Audienz zu erhalten; am wenigsten in dieser Sache. Ra-belais fiel auf ein Mittel, dessen sich freylich nur selten einSupplicant zu bedienen im Stande ist. Er redete den Schwei-zer vor des Kanzlers Pallast in lateinischer Sprache an.Dieser schickte sogleich nach einem Secretär, welcher lateinischverstand, aber zu dem sprach Rabelais griechisch, und alsein anderer, der griechischen Sprache kundiger Mann gerufenwurde, ließ er sich hebräisch vernehmen. So flößen nachund nach eine Menge alter Sprachen ihm geläufig von denLippen. Das ganze Haus kam in Bewegung. Dem Kanzlerwurde gemeldet, draußen stehe ein Mann, der mit Pfingst-zungen rede. Man ließ ihn herein treten, und nun sprach ermit so männlicher Beredsamkeit für die Rechte seiner Facultät,daß er den Kanzler gewann, und seinen Zweck erreichte. Dar-um wurde, noch lange nach seinem Tode, sein Doctormantelzu Montpellier in großen Ehren gehalten, und wer daselbstdie Doctorwürde erlangte, trug an diesem Ehrentage RabelaisMantel.
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) Von KvHebue.