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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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nen: dieß ist reiner, beglückender Lebensgenuß, und das froheGefühl, welches uns da durchströmt, läßt tausend andere an-genehme Empfindungen weit hinter sich zurück. Wenn wir eineböse Begierde bekämpfen, eine heftige Leidenschaft überwinden,wenn wir uns in dieser oder jener Tugend üben und stärken;wenn sich unsere Denk- und Sinnesart immer mehr veredelt;wenn uns Gottes - und Menschenliebe immer völliger beseelenund durchdringen, wenn wir uneigennütziger und gemeinnützi-ger denken und handeln lernen; oder wenn wir in einzelnenFällen einen verleumdeten Bruder mit Erfolg vertheidigen,einem Bekümmerten Trost zu sprechen, einen Dürftigen erqui-cken, einen Hungerigen sättigen, einen Verirrten aus den Wegder Wahrheit und der Tugend zurück führen; wenn wir alsogetrost auf unfern Pfad zurück sehen und zu uns selbst sagenkönnen: du bist besser und vollkommener geworden; du hastdich dem Ziele deiner Bestimmung um ein Beträchtliches ge-nähert : du darfst den Tod, die Ewigkeit, den Weltrichter nichtfürchten; dieß ist hoher, seliger Lebensgenuß, hohes, seligesGefühl unsers Daseyns; ein Gefühl, das uns über Himmelund Erde erhebt, uns unsere Vewandtschafc mit höhern Gei-stern zusichert und uns unsere zukünftige herrliche Bestimmungnicht bloß ahnen, sondern mit Gewißheit erkennen läßt.

Ja, wer sein Leben auf eine solche Art genießt, wer seinewichtigsten Angelegenheiten und alle seine Verhältnisse so zurQuelle der Freude für sich umschaffc, der wird sich auch allesÜbrige leicht zum Vergnügen machen; der wird die unzähligenkleinen und unbedeutenden Vorfälle, die ihm begegnen, diebeständigen Veränderungen, welche sich mit ihm zutragen, diegeringern Beschwerden und Übel, welche er erduldet, gewißso betrachten, so anwenden und benutzen, daß sie seine Zu-friedenheit und Glückseligkeit nicht stören, wenigstens nichtlange und anhaltend unterbrechen. Er ist des Genusses fähig,des Genusses würdig, und wird zuverlässig, wenn ihn nicht außer-ordentliche Feinde, nicht heftige Krankheiten niederwerfen, seineKraft und Fähigkeit zu genießen, noch im hohen Alter besitzen.