/
585
die nothwendigen, unvermeidlichen Folgen, welche früher oder-später, ober gewiß, daraus entstehen.
Nein, Lebensgenuß ist die Kunst, sich das ganze Lebenmit allem, was dazu gehört, recht angenehm und zur Freudezu machen. Genieße also mit Bewußrseyn und mit Besonnen-heit; nicht bloß körperlich und sinnlich, nicht gedankenlos undmechanisch, sondern laß auch deinen Verstand und dein Herzdaran Antheil nehmen. Genieße mit Rücksicht auf Gott, derdein Schöpfer und Vater ist, und dem du diese Freude ver-dankest; genieße mit Rücksicht auf deine Brüder, die sich ent-weder mit dir freuen, oder mit dir freuen möchten, ohne Neidund Mißgunst, mit zufriedener, genügsamer Fröhlichkeit. —Besonders aber lerne die Freuden kennen, die mit deinem Be-rufe verbunden sind. Ja, wenn wir unser» Beruf mit frohemSinn treiben, ihn als einen wichtigen uns von der Vorsehungangewiesenen Beruf betrachten, und mit allem Eifer und mitaller Treue abwarten; wenn wir die meisten uns dabey ent-gegen kommenden Hinderiiifse glücklich besiegen; wenn mir selbstund Andere mir uns zufrieden sind; wenn wir uns unsereKräfte, unsere Thätigkeit, unseres Fleißes freuen; wenn unsdas Gefühl dessen, was wir alles zu thun und auszurichtenvermögen, durchdringt: dann genießen wir unser Leben; dannist unser ganzes Daseyn Wohlthat für uns; dann würden wirdiese selbsterworbene, belohnende Freude für kein anderes bloßzufälliges Vergnügen hingeben. Wenn wir unfern Wirkungs-kreis erweitern, wenn wir mehr Gelegenheit, Andern zu die-nen, mehr Veranlassung und Aufmunterung, Gutes zu stif-ten, bekommen; wenn sich unsere Einsichten vermehren, wennwir richtiger, zusammen hängender, ordentlicher denken lernen;wenn unsere Begriffe Licht und Bestimmtheit, unser Glaubeund unsere Überzeugung Festigkeit, unsere Kenntnisse mehr-innere Verbindung unter sich erhalten; wenn wir nach undnach immer mehr Jrrthümer bestreiten, immer mehr Vorurtheileablegen und uns durch jede gefundene Wahrheit den Weg zuneuen Eroberungen im Gebiethe des menschlichen Wissens bah-