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so wirst du stets die rechte Stimmung zum Genüsse der Freudemitbringen; so wird der Gedanke, deine Pflicht gethan zu ha-ben , jede Art von Erhohlung schmackhaft für dich machen. Be-sonders hüte dich vor dem Verluste deiner Unschuld. Was dasGefühl der Gesundheit für den Körper ist, das ist das Gefühlunserer Würde und Tugend für die Seele. Und du wolltestdich darüber wundern, wenn du, der du deine Unschuld verlo-ren, deine Tugend verscherzt, dein Gewissen verwundet hast,unstär herum irrst, nirgends Ruhe findest und vergebens nachLebensgenuß schmachtest?
Die Kunst sein Leben zu genießen, setzt endlich in jederRücksicht Verstand und Tugend voraus; Verstand, um die Grund-sätze des Gewissens zu finden, und Tugend, um diese Grund-sätze in Ausübung zu bringen. Gewöhne dich also nie an eineeinzige Art von Vergnügen, sondern genieß alles, was du indeinen Umständen auf eine unschuldige Weise zu genießen ver-magst. Suche deinen Geschmack frühzeitig zu veredeln undauszubilden; und genieße nicht alles, was du als Mensch ge-nießen könntest, sondern genieße mit Auswahl und Rücksichtauf deine besondere und persönliche Lage.
Nach diesen Voraussetzungen läßt sich bestimmen, worineigentlich die Kunst, sein Leben zu genießen, bestehe.
Lebensgenuß ist nichts weniger als beständiger und unun-terbrochener Genuß des Vergnügens. Wer immer nur von einerFreude zur andern forteilt; wer sich besonders nur im Kreiseheimlicher Vergnügungen herum treibt: der verliert, ver-schweigt, verschwendet sein Leben, aber der genießt es nicht.Eine solche Lebensart öffnet gar bald jene Quellen des Über-drusses, des Ekels, des Mißvergnügens, die sich, wenn sieeinmahl fließen, schwer wieder verstopfen lassen. Eine solcheLebensart führt nothwendig die Langeweile, diese Feindinnund Störerinn aller wahren Zufriedenheit, herbey, und ist we-der der Bestimmung noch den Kräften des Menschen angemes-sen. Erschöpfung des Körpers, Erschlaffung des Geistes, Schwä-che und Kraftlosigkeit, Unfähigkeit zum fernem Genüsse sind