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vom Seyn zum Nichtseyn. Wenn ein hoher Baum vor unsprangte, und mit einem Mahle vernichtet verschwände, wiewürden wir starren , wie würde dieß Unbegreifliche uns em-pören! Wäre es wohl weniger unbegreiflich, weniger empö-rend, zu denken, daß ein menschlicher Geist, der in vielfacherWirksamkeit waltet, durch einen Kugelschlag, durch einen Dolch-stich, der den mit ihm verbundenen Leib trifft, augenblicklich zu —Nichts würde ? Die Natur zeigt aber nicht bloß keine plötzliche Ver-nichtung, sie zeigt überall keinen Untergang. In unermüdlichemKreisläufe verändert und erneuert sich alles, alles keimt, wächst,blüht, reift, welkt, zerfällt und gewährt durch seine Auflösung wie-der Nahrung für Keime, Blüthen und Früchte. Das Blättchen,das verdorret vom Baume rieselt, gibt Stoff zu frischen Ge-stalten, und der edle Geist des Menschen würde vertilgt? AllesKörperliche ist nur wichtig in Beziehung auf vernünftige Wesen,ist nur Mittel; die Mittel blieben und die Zwecke würden zerstört ?
Nein, o nein, der Mensch wird nicht vergehen! rufst duimmer, junge Natur, liebliche mütterliche Erde, holder Er-ziehungsplatz hoffnungsvoller Kinder, freundlicher Spielplatzvon Unsterblichen. Schmücke dich, Natur, die du nicht denkst,für die denkenden Zöglinge, schmücke dich, Erde, der Frühlingist nahe, schmücke dich schön! im Dufte der Blüthen, unterwelchem die Bäume sich beugen, auf dem Blumenteppiche derWiesen, an dem Strauche, dessen Rose sich unserer Hand ent-gegen neigt, in der Gluth des Abendroths, beym Nachtigal-lenliede wollen wir fühlen: wir sind unsterblich! Ist doch über-all Wiederaufblühen, ist doch nirgends Vernichtung, ist's doch,als hätte der große Vater alles absichtlich so eingerichtet, daßwir nicht einmahl Vernichtung denken können. Wir vermögen dießebensowenig, als wir eine Verwandlung, durchweiche die Seelein etwas überginge, was nicht Seele wäre, als wir eine demZerfallen des Körpers ähnliche Auflösung derselben begreifen, dadie Seele auf eine ganz andere Art ist und wirkt, als der Körper.
Die Abhängigkeit des Geistes vom Leibe kann mich nunauch nicht bekümmern: ist sie denn ganz so groß, als man oft