Druckschrift 
2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
Entstehung
Seite
363
Einzelbild herunterladen
 

365

endliche Dauer voraus. Ohne Unsterblichkeit der Seele aberwürde in jedem bey dem Sterben mit seinem Daseyn seinZweck zerstört.

Wir sind unsterblich und die Vernunft ist befriedigt;wir sind unsterblich, und alles zerfließt in Harmonie. Die Tu-gend gebiethet Veredlung, und alles, was sie will, ist Mitteldazu; jedes Hingeben eines Vortheils ist ein Schritt höher aufder empor leitenden Bahn; jeden Kampf belohnt Sieg; Auf-opferung des Lebens selbst ist nicht Zerstörung, sondern Errin-gen der Vollkommenheit, nicht Verlust, sondern Gewinn;die Tugend hat ein Ziel erreicht, das nichts zerstören und ver-rücken kann, das dem Laufenden immer Heller und Heller, undam hellsten im Tode glanzt; der Tod ist nicht mehr furchtbar;wir scheuten sein finsteres, drohendes Gesicht, und siehe! seinAntlitz ist nur ernst aber freundlich; wir zitterten vor seinereiskalte», starren Hand, und siehe! seine Hand ist warm undstark, uns hinauf zu heben, dahin, wo sich Tugend und Glück-seligkeit vereinigt.

Die Vernunft selbst macht es uns also nothwendig, einefortgehende Erziehung, Fortdauer im Tode zu glauben. Undnun erheben wir. unsere Augen und schauen umher und findenfröhlich die Schätze, welche die Vernunft uns verspricht, auchin dem Gebiete der Erfahrung, in der uns umgebenden Welt,in der menschlichen Natur und in der Geschichte der Mensch-heit uns verbürgt. Auf der Erde beginnt unsere Erziehung,und alles, was sie uns darbiethet, ist von dem sittlichen Ordnerund Erzieher, von Gott selbst, so eingerichtet, daß es uns indem Glauben befestigen muß: wir werden nicht vergehen. Indiesem Gedanken, durch welchen nicht bloß die Vernunft mitsich selbst einig, sondern auch alles Äußere mit unserm Innernin beseligender Harmonie erscheint, erhalten nun alle längst fürunsere Fortdauer aus einander gesetzten Gründe, an welche ichnur noch erinnere, eine sehr wohlthätige Kraft. In der ganzenWelt um uns her lesen wir: wir werden nicht vergehen.

Nirgends sehen wir in der Natur den grausen Sprung