aus; und oft sieht man sie selbst über Gebrechen der Naturtriumphiren. Alle Bewegungen, die von ihr ausgehen, werdenleicht, sanft und dennoch belebt seyn. Heiter und srey wirddas Auge strahlen und Empfindung wird in demselben glänzen.Von der Sanftmurh des Herzens wird der Mund eine Grazieerhalten, die keine Verstellung erkünsteln kann. Keine Span-nung wird in den Mienen, kein Zwang in den willkührlichenBewegungen zu bemerken seyn, denn die Seele weiß von kei-nem. Musik wird die Stimme seyn, und mit dem reinen Stromeihrer Modulationen das Herz bewegen. Die architektonischeSchönheit kann Wohlgefallen, kann Bewunderung, kann Er-staunen erregen, aber nur die Anmuth wird Hinreißen.
Über Liebe und Freundschaft.
Von Herder.
Es ist eine schöne Sage der ältesten Dichtung, daß Liebedie Welt aus dem Chaos gezogen und die Geschöpfe mit Ban-den des Verlangens und der Sehnsucht wechselseitig an einandergeknüpft hat; daß mit diesen zarten Banden sie alles in Ord-nung erhalte und zu dem Einen leite, der Quell alles Lichtesist, wie aller Liebe. Unter wie mancherley Nahmen und Ein-kleidungen dieß dichterische System vorgetragen ward: so istan ihm überall dieß Allgemeine kenntlich; daß Liebe die Wesenvereinige, wie Haß sie scheide; in Liebe und Vereinigung gleich-artiger Dinge bestehe aller Genuß der Götter und Menschen ;Sehnsucht und Verlangen endlich seyen gleichsam die Braut-führerinnen der Liebe, die starken und doch zarten Arme, dieallen Genuß herbeyziehen, vorbereiten, ja die selbst daS größteVergnügen vorahnend gewähren.
Je geistiger der Genuß ist, desto dauernder wird er, destomehr ist auch sein Gegenstand außer uns dauernd. Das Bildder Alten von der Freundschaft, die beyden in einander ge-schlungenen Hände, scheinen das beste Sinnbild ihrer Ver-einigung, ihres Zweckes und Genusses zu seyn; bedeutender,als die zwey gleich gestimmten Sairenspiele. Diese drücken nichts