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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Eine schöne Seele nennt man es, wenn sich das sitt-liche Gefühl aller Empfindungen des Menschen endlich bis zudem Grade versichert hat, daß es dem Affect die Leitung desWillens ohne Scheu überlassen darf und nie Gefahr lauft, mitden Entscheidungen desselben im Widerspruch zu stehen. Dahersind Key einer schLnen Seele die einzelnen Handlungen eigentlichnicht sittlich, sondern der Charakter ist es. Man kann ihr auchkeine einzige darunter zum Verdienst anrechnen, weil eine Be-friedigung des Triebes nie verdienstlich heißen kann. Die schöneSeele hat kein anders Verdienst, als daß sie ist. Mit einerLeichtigkeit, als wenn bloß der Jnstinct aus ihr handelte, übtsie der Menschheit peinlichste Pflichten aus, und das helden-müthigste Opfer, das sie dem Naturtriebe abgewinnt, fällt,wie eine freywillige Wirkung eben dieses Triebes, in die Au-gen. Daher weiß sie selbst auch niemals um die Schönheitihres Handelns, und es fällt ihr nicht mehr ein, daß mananders handeln und empfinden konnte; dagegen ein schul-gerechter Zögling der Sittenregel, so wie das Wort desMeisters ihn fordert, jeden Augenblick bereit seyn wird, vomVerhältniß seiner Handlungen zum Gesetz die strengste Rech-nung abzulegen. Das Leben des Letzter» wird einer Zeichnunggleichen, worin man die Regel durch harte Striche angedeutetsieht, und an der allenfalls ein Lehrling die Principien derKunst lernen könnte. Aber in einem schönen Leben sind, wie ineinem Titianischen Gemählde, alle jene schneidenden Grenz-linien verschwunden, und doch tritt die ganze Gestalt nur destowahrer, lebendiger, harmonischer hervor.

In einer schönen Seele ist es also, wo Sinnlichkeit undVernunft, Pflicht und Neigung harmoniren, und Grazie istihr Ausdruck in der Erscheinung. Nur im Dienst einer schönenSeele kann die Natur zugleich Freyheit besitzen und ihre Formbewahren,, da sie erstere unter der Herrschaft eines strengenGemüthes, letztere unter der Anarchie der Sinnlichkeit einbüßt.Eine schöne Seele gießt auch über eine Bildung, der es anarchitektonischer Schönheit mangelt, eine unwiderstehliche Grazie