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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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ckung des Andern zu gründen. Erst alsdann, wenn sie aus sei-ner gesammten Menschheit, als die vereinigte Wirkung beyderPrincipien, hervor quillt; wenn sie ihm zur Natur gewordenist: ist eine sittliche Denkart geborgen ; denn so lange der sittlicheGeist noch Gewalt anwendet, muß der Naturtrieb ihm nochMacht entgegen zu setzen haben. Der bloß niedergemorfeneFeind kann wieder aufstehen, aber der versöhnte ist wahrhaftüberwunden.

Die menschliche Natur ist ein verbundeneres Ganze in derWirklichkeit, als es dem Philosophen, der nur durch Trennenwas vermag, erlaubt ist, sie erscheinen zu lassen. Nimmermehrkann die Vernunft Affecte als ihrer unwerth verwerfen, diedas Herz mit Freudigkeit bekennt, und der Mensch da, wo ermoralisch gesunken wäre, nicht wohl in seiner eigenen Achtungsteigen. Ware die sinnliche Natur im Sittlichen immer nur dieunterdrückte und nie die mitwirkende Partey, wie konnte siedas ganze Feuer ihrer Gefühle zu einem Triumphe hergeben,der über sie selbst gefeyert wird? Wie könnte sie eine so leb-hafte Theilnehmerinn an dem Selbstbewußrseyn des reinen Gei-stes seyn, wenn sie sich nicht endlich so innig an ihn schließen könnte,daß selbst der analytische Verstand sie nicht ohne Gewaltthätig-keit mehr von ihm trennen kann.

Der Wille hat ohnehin einen unmittelbaren Zusammen-hang mit dem Vermögen der Empfindungen, als dem der Er-kenntniß, und es wäre in manchen Fällen schlimm, wenn ersich bey der reinen Vernunft erst orientiren müßte. Es erwecktmir kein gutes Vorurtheil für einen Mensche», wenn er derStimme des Triebes so wenig trauen darf, daß er gezwungenist, ihn jedesmahl erst vor dem Grundsätze der Moral abzuhö-ren; vielmehr achtet man ihn hoch, wenn er sich demselben,ohne Gefahr, durch ihn mißgeleitet zu werden, mit einer ge-wissen Sicherheit vertraut. Denn das beweiset, daß beyde Prin-cipien in ihm sich schon in derjenigen Übereinstimmung befinden,welche das Siegel der vollendeten Menschheit und dasjenigeist, was man unter einer schönen Seele versteht.