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braischen Rechnungsart, durch deren Hülfe die neuere Mathesisihre größten Fortschritte gemacht hat. Wenn die Grundsätzederselben einmahl wohl gefaßt sind; so werden die Anwendungendavon leicht, weil der Gang dieser Methode immer derselbe undgleichsam formularisch ist. — Wenn die Auflösung eines Problemseinmahl so eingeleitet ist, daß es der Rechnung unterworfenwerden kann, so ergibt sich das Übrige nach bestimmten Regelnvon selbst. Aber eben dieses Mechanische erleichtert die Arbeitdes Denkens und gibt also weder dem Manne, welcher nichtselbst Erfindungskraft hat, noch derjenigen Anstrengung, die zueiner ganz freyen und gleichsam nicht vorbereiteten Meditationerfordert wird, fähig ist, eine seinen Bedürfnissen angemesseneNahrung des Geistes.
Das hohe Vergnügen hingegen, welches das mathemati-sche Selbstdenken gewähren kann, genießen nur die Wenigen,die über die Erfindungen ihrer Vorgänger hinaus gehen, sichneue Bahnen brechen und den durch Jahrhunderte gesammeltenSchatz mathematischer Wahrheiten vergrößern. Einen je län-ger» Weg sie zurück legen mußten, ehe sie an dem Standpuncteanlangten, wo sie neues Land entdecken, desto entzücken-der muß das Vergnügen ssyn, sich in demselben zuerst umzu-sehen und einen Weg zu weiterem Fortgange zu bahnen. Jelänger und verwickelter die Kette der Schlüsse ist, an welcherdas neue Glied angeknüpft werden muß, desto vollkommenerwird der Geist befriedigt, dessen Kräfte eine solche Arbeit zuertragen vermögen.
Wenn die Mathematik in einem hohen Grade einige we-nige Menschen glücklich macht, so macht die Philosophie, ineinem mäßigen Grade, viele glücklich. In dieser Wissenschaftkönnen alle, die sie studiren, gewisser Maßen Erfinder wer-den. Ja sie müssen es seyn, wenn sie des Vergnügens, dassie ihren Liebhabern verschaffen kan», wirklich genießen sollen.Ich will so viel sagen: sie müssen die Wahrheiten, die sie ler-nen , ihrer eigenen freyen Prüfung unterwerfen. Erst nachdemsie dieselben aus ihren Erfahrungen, durch eine selbst gewählte