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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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Wesen in der Welt einnehme, mich vollkommner zu machen/das muß allen meinen Gedanken/ Wünschen und Entschließun-gen den endlichen Ausschlag geben. Was ich aufzuopfern, wasich zu leiden habe, dadurch verliere ich nichts, wenn meine ver-nünftige Natur dabey unverletzt bleibt; oder ich gewinne viel-mehr, wenn die Aufopferung zur Erhaltung und Erhöhung ihrerWürde nöthig ist.

Die Tugend kann also nichts anders seyn, als die Voll-kommenheit meiner vernünftigen Natur. Worin kann aber dieseVollkommenheit bestehen? Doch gewiß in nichts anderem, als inder Erhöhung ihrer Kräfte. Ist die Tugend nichts als die er-höhte Kraft meiner Seele und ist es der Genuß dieser Kraft,was mich beseligt: so mögen meine tugendhaften Handlungenausfallen wie sie wollen; sie mögen mich reicher oder ärmer,geehrter oder verachteter machen, Freunde verschaffen, oderFeinde zuziehen, — sie können mir nicht schädlich seyn. EinigeTugenden setzen selbst voraus, daß ich mit Gefahren zu käm-pfen habe, und es verringert sie nicht, es vermindert meineGlückseligkeit nicht, wenn ich diesen Gefahren, ohne meineSchuld, unterliege.

Der Werth dieser Tugenden kann also nicht von den äu-ßern Vortheilen abhängen, die sie mir verschaffen; er muß inihnen selbst liegen, darin, daß sie Eigenschaften, Kräfte undVollkommenheiten meiner vernünftigen Natur sind. Haben siediesen nicht, so haben sie gar keinen sichern Werth, und gleich-wohl legt ihnen die allgemeine Stimme, die in allen mensch-lichen Sprachen gehört wird, einen sehr hohen bey. Tapferkeit,die oft in ihren großmürhigen Unternehmungen erliegt, würdeder erhabene Wahnsinn eines träumenden, irrenden Rittersseyn, wenn ein unerschrockener Muth, eine durch die Begeiste-rung des Wohlwollens zur Aufopferung seiner selbst erhöhteSeele nicht an und für sich selbst ein unschätzbares Gut wäre.Wie es mit dieser Tugend ist, so ist es mit allen andern. Undwenn ich ihren Werth so bestimme, so behalten sie in allenUmständen ihre wohlthätigen Wirkungen ; so habe ich nie nöthig,Pbilosoph. Abtbeil. VI. Band. A)