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reine/ gute Wille nicht in euch ist, so lange wird es euch nichtmöglich seyn, innere Würde zu fühlen. Fällt euch bey den be-sten Handlungen nicht sogleich der Muth; schlägt euch bey den-selben nicht euer eigenes Gewissen, sobald ihr euch eingestehenmüsset, eure Absichten bey denselben seyen nicht ganz rein ge-wesen, sie seyen irgend eines Vortheils, irgend einer sich ein-mischenden Leidenschaft wegen von euch geschehen; schämet ihreuch nicht selbst, dergleichen unedle Antriebe Andern zu geste-hen, weil ihr wohl wisset, daß alles Verdienstliche guter Hand-lungen dadurch aufgehoben wird. — Wollt ihr euch selbst dieGenugthuung verschaffen, so zu leben und zu handeln, wie eseinem vernünftigen, freyen, zur Nachahmung Gottes berufe-nen Wesen geziemt: so strebt darnach, dem Gebothe eurerPflicht pünctlich und ohne Ausnahme zu gehorchen; so gewöhnteuch zu dem, was Recht ist, weder durch euern Vortheil euchermuntern, noch durch euern Schaden davon abschrecken zulassen; so fraget, wenn ihr etwas Gutes thuu sollt, nie: waswird mir dafür, sondern lasset euch daran genügen, daß esgut und eure Pflicht ist; so trachtet, mit Einem Worte, nachvollkommen guten Willen, denn ohne denselben ist kein Be-wußtseyn innerer Würde möglich.
Der moralische Sinn.
Von Eberhard.
Die Vollkommenheit unserer geistigen Natur muß dervornehmste Zweck unserer freyen Handlungen seyn.
Ich sehe, daß die Vorsehung mich so eingerichtet hat,daß das körperliche Vergnügen nicht der einzige Nutzen ist.Len die Körperwelt für mich hat. Die Sonne gibt so gut denunvernünftigen Thieren als den vernünftigen Menschen durchihre erleuchtende, erwärmende Kraft die Nahrung, wodurchsie ihr Leben erhalten und die angenehmen Empfindungen, wo-durch sie sich des Lebens erfreuen. Allein dieses herrliche Gestirnhat für mein vernünftiges Wesen unendlich vielen Nutzen, diees für das Thier nicht haben kann. Die Körper, die es mir sicht-