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2 (1825) Theorie der Beredsamkeit für alle Formen prosaischer Darstellung : nach den besten Quellen der Alten und der Neuern bearbeitet, und mit Mustern und Beyspielen belegt
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dein sein eigenes Herz es sagt, wie oft er sich durch Fehler,durch Ausschweifungen, durch Laster und Verbrechen entehrthat! Er kann keinen Blick in sein Inneres werfen, ohne'Miß-fallen zu empfinden und sich selbst zu verachten; er kann An-dern nicht unter die Augen treten, ohne zu fürchten, daß je-mand wider ihn zeuge, daß jemand seine Schande aufdeckeund ihn demüthige; er darf nie mit Freymüthigkeit, nie miteiner gewissen unbefangenen Kühnheit sprechen, ohne in Gefahrzu seyn, daß man ihn an seine Vergehungen erinnere und da-durch zum Schweigen bringe. Nur der kann sich selber achten,nur der darf diese Selbstachtung unbesorgt äußern, der die Un-schuld seines Herzens bewahrt und sich nie durch Laster ernie-drigt hat. Und es ist möglich, sich frey zu erhalten von gro-ben Ausschweifungen aller Art; es ist möglich, alles zu ver-meiden, was die bürgerliche Gesellschaft ahnden muß, und un-sträflich vor den Augen der Menschen zu seyn; es ist möglich,mit Wissen und Willen in seinem Stande und Berufe nichtszu versehen, und gewissenhafte Treue zu beweisen; es ist mög-lich , selbst den geheimen Regungen der Sünde zu widerste-hen und über die Reinigkeit seines Herzens zu wachen. Einesolche Verfassung bey sich wahrzunehmen; sich selbst das Zeug-niß geben zu können: so denke, empfinde und handle man vorden Augen Gottes und der Menschen: dieß erfüllt die Seelemit edlem Mukhe; dieß erweckt in ihr eine Zufriedenheit mitsich selbst, die ihr ganzes Wesen durchdringl; dieß ertheilt ihreinen Schwung, bey dem es ihr nicht weiter möglich ist, sichzu etwas Schändlichem und Unrechtmäßigem herab zu lassen. ZumBewußtseyn innerer Würde gehört auch das Gefühl eigenerUnschuld.

Setzet noch das Gefühl eines vollkommen guten Willenshinzu. Besser, erhabener, wichtiger ist nichts im Himmel undauf Lrden, als dieser gute Wille; als die Gewohnheit, ohne allenEigennutz, ohne alle niedrige Nebenabsicht, das Gute zu thun,weil es gut ist, und seine Pflicht aus wahrer Achtung, aus rei-nem Gehorsam gegen Gott zu erfüllen. So lange dieser edle.